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Aufmachung Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** *** *** * **** ** *** **** 79%
 

 
„Grantchester“ zeigt die Erlebnisse des jungen Pfarrers Sidney Chambers und seines befreundeten Inspectors Keating um 1953 in der ländlichen Gegend Großbritanniens. Die TV-Fassung der Buchreihe von James Runcie überzeugt durch eine zeitgemäße Inszenierung, einen guten Cast, interessante Charaktertiefe und entsprechende inhaltliche Weiterentwicklungen.


Grantchester (Retro-Serie)Als wäre die Arbeit des örtlichen Pfarrers im ländlichen Grantchester nicht bereits umfangreich genug, befasst sich der junge Geistliche Sidney Chambers (James Norton) darüber hinaus noch mit den teils eher unerwarteten Mordfällen der Gegend. Der in der Nachbarstadt Cambridge arbeitende Inspektor Geordie Keating (Robson Green) ist hierbei die erste Anlaufstelle für Sidneys Gedankengänge, die nicht selten dazu führen, dass etwaige Ermittlungen neue Wege einschlagen und meistens zu den wahren Tätern führen.

Die wirkliche Herausforderung liegt aber im Umgang mit den Erlebnissen an den Krieg gegen die Nazis und die Grauen des Schlachtfelds vor rund sieben Jahren. Noch immer plagen Sidney manche Erinnerungen und auch der Umgang mit seiner Jugendfreundin Amanda (Morven Christie) macht es nicht leichter. Diese verlobt sich nämlich im Laufe der Zeit mit einem anderen Mann und so versucht Sidney, sich abzulenken und beginnt eine Liaison mit der Deutschen Hildegard (Pheline Roggan). Doch kann man wirklich die erlebte Vergangenheit und nicht ausgelebte Emotionen dauerhaft vergessen oder verdrängen?

Ohne die resolute Mrs. Maguire (Tessa Peake-Jones), die sich streng aber auch mütterlich um das Pfarrhaus kümmert, wäre Sidney jedenfalls des Öfteren mehr als nur aufgeschmissen. So ist es auch Mrs. Maguire, die am Ende dafür sorgt, dass mit dem homosexuellen Vikar Leonard Finch (Al Weaver) weitere Hilfe für die Gemeinde und somit auch für Sidney bereitsteht.

Grantchester (Retro-Serie)
Freunde - und Liebende? Amanda (Morven Christie) und Sidney (James Norton).


Basierend auf der Sidney Chambers-Buchreihe von Schöpfer James Runcie machte sich der britische TV-Sender ITV um 2014 daran, die Kriminalgeschichten des jungen Pfarrers ins Serienformat umzuwandeln. Das gelang dann auch mit Erfolg, denn beinahe alles passt und die unterschiedlichen Ansätze harmonieren perfekt miteinander.

Das Ambiente in der Gegend um das Dorf Grantchester nahe Cambridge und die optische Umsetzung hinein in die frühen 1950er Jahre ist dabei der umfangreichste Ansatzpunkt. Da stimmen nicht nur die Autos, die Kleidung, die Alltagsgeräusche und die noch vorherrschenden Gedanken an das brutale Ende des Zweiten Weltkriegs, sondern auch die inhaltlichen Dinge wie der Einfluss der Religion auf das Verhalten der Menschen, der Umgang mit Frauen innerhalb der Gesellschaft, der Umgang mit Homosexualität, die simple Ermittlungsarbeit (ohne all die Möglichkeiten von heute) und die vermeintlichen Kleinigkeiten wie der Alkoholkonsum, das Rauchen und die Musik.

Grantchester (Retro-Serie)
Recht streng und altmodisch aber stets bemüht: Mrs. Maguire (Tessa Peake-Jones) ist die gute Seele der Pfarrei in Grantchester.

All diese Dinge tun der Handlung gut – sowohl jener, die sich mit den Morden beschäftigt, auf die der junge Pfarrer stößt, als auch der Handlung, die sich mit den charakterlichen Weiterentwicklungen der einzelnen Figuren beschäftigt. Ob Liebe, Zuneigung, Glaube, Verständnis und Hoffnungen – alles bekommt seinen Platz, spielt all das doch eine gewichtige Rolle in der Serienfassung. Umso beachtlicher ist es, dass die Macher es schaffen, all das in nur wenige aber eben auch ausreichende Folgen zu packen. So hat die erste Staffel, die nun auch in deutscher Sprache zum Kauf steht, nur sechs Folgen, die auch jeweils nur rund 45 Minuten gehen. Dennoch genügt die Anzahl der Folgen, um sich ein Bild von den Figuren zu machen und wo wir schon dabei sind:

Der Cast sei zum Ende ebenfalls ausdrücklich gelobt. Der zu Drehbeginn knapp 29-jährige James Norton sieht nicht nur gut aus, sondern spielt seine vermeintliche Reife auch vollständig aus. Ein toller Darsteller, der auch dank der deutschen Synchronarbeit von Johannes Raspe gut beim deutschen Zuschauer ankommen dürfte. Ebenso ist der bereits erfahrene TV-Darsteller Robson Green gut als Chefermittler der Polizei vor Ort ideal gewählt. Auch hier muss man dem deutschen Sprecher (in diesem Fall Manfred Trilling) danken, denn Greens Stimme klingt im Originalton irgendwie nicht so passend zur Rolle, wie die von Trilling.

Grantchester (Retro-Serie)
Al Weaver überzeugt als homosexueller Vikar.

Auch die Nebendarsteller gefallen. Ob die mir persönlich unbekannte Tessa Peake-Jones als die gute (und strenge) Seele der örtlichen Pfarrei, oder Al Weaver als homosexueller Vikar, der die Probleme eines schwulen Mannes zur damaligen Zeit in Zwiespalt mit der Religion, welcher er dient, bestens darzustellen vermag. Ohnehin sind beinahe alle noch so kleinen Rollen prima gecastet und die deutsche Synchro (Dialogbuch: Matthias Disseler, Dialogregie: Johannes Keller) ist wirklich sehr bemüht und ebenso gut gewählt.

Für Fans von britischen Kriminalserien und jenen, die geschichtliche wie auch zwischenmenschliche Entwicklungen dabei mögen, ist „Grantchester“ definitiv ein guter Tipp! Wie sagte es der Daily Express schon so passend: „Der erste wirklich würdige Nachfolger von Inspector Morse.“

Grantchester (Retro-Serie)
Erinnerungen an Sidney Chambers' Zeit im Zweiten Weltkrieg...

Grantchester (Retro-Serie)

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Fakten
Originaltitel:
Grantchester
 
Produktionsjahr:
2014 - 0000
 
Genre:
Krimi / Drama / Retro
 
Laufzeit/Folge:
circa 45 Minuten
 
Diese Serie wurde bewertet von:
Conway(79%)
 
Texte;
Conway
 
Diese Serie bei Wikipedia 

 
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