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leer Catherine the Great


Aufmachung Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** **** ** ** *** *** ***** **** 74%
 

 
Nach der Queen of England übernimmt Dame Helen Mirren erneut die Rolle einer mächtigen Monarchin; die der letzten Zarin Russlands – Katharina die Große.

Catherine the Great (Miniserie mit Helen Mirren)


Katharina II. hat nach einem Staatsstreich gegen ihren Mann Peter III. den Zarenthron Russlands betreten und die Geschicke zur Steuerung eines Imperiums übernommen. Als Frau sieht sie sich in der schwierigen Lage, ihre Macht gegen den Widerstand des allgegenwärtigen Patriarchats in Europa zu halten.

Noch schwieriger wird die Situation durch die Einstellung der Zarin selbst: Sie sieht sich als Reformerin, die die Leibeigenschaften gegen den Widerstand des Adels abschaffen und die Gleichheit der Menschen erreichen will. Dieses Ziel jedoch verliert sich im Laufe der Regentschaft, da sie erkennen muss, dass sie ihre Macht nur erhalten kann, wenn sie rücksichtlos regiert. Diese Rücksichtlosigkeit wird bestärkt durch eine Liaison mit General Potjomkin (Jason Clarke), der ihr bei der kriegerischen Ausweitung des Imperiums zur Seite steht und sie so mit Gewalt das russische Reich um z.B die Krim erweitert.

Catherine the Great (Miniserie mit Helen Mirren)
General Potjomkin (Jason Clarke)

Aber auch innenpolitisch steht die Zarin unter starken Druck; Aufstände im Land, die ihre Machtposition in Frage stellen und die Frage der Thronfolge machen der Monarchin schwer zu schaffen. Schlussendlich richtet sich auch das europäische Ausland (insbesondere Preußen) gegen die kriegerische Zarin.


Die von HBO und Sky gemeinsam produzierte vierteilige Miniserie greift das Leben von Katharina der Großen nach der Machtübernahme auf und zeigt in einem Schnelldurchlauf wichtige Lebensereignisse der letzten großen Alleinherrscherin Europas. Das dabei geschichtliche Fakten nicht 100% authentisch dargestellt werden können, sei im Rahmen der Dramaturgie entschuldigt (So hat Potjomkin sein Auge nicht durch einen Kampf verloren, sondern durch einen Naturmediziner, aber ein Kampf ist einfach effektvoller).

War es eine gute Wahl, eine 74-Jährige eine eigentlich erst 40-Jährige spielen zu lassen? Wenn es sich hierbei um Oscarpreisträgerin Helen Mirren handelt, dann kann die Antwort nur lauten: Ja, unbedingt. Geschickt kaschiert sie den Altersunterschied zum geschichtlichen Vorbild durch ein faszinierendes Spiel der Macht. Wenn sie die Faust ballt und sagt „Weißt du was ich in meiner Hand halte? Absolute Macht!“ schafft sie mit diesem Oneliner gepaart mit eiskalter Mimik einen filmischen Satz für die Ewigkeit. Danke, Dame Mirren.

Catherine the Great (Miniserie mit Helen Mirren)
Jason Clarke wirkt neben Helen Mirren oft eher blass.

Auch die Ausstattung lässt keine Fragen offen. Sky und HBO haben alles an Opulenz, Dekoration und Kostümen in diese Serie gesteckt, was man sich nur vorstellen kann: Ausladende Roben, dekadente Kerzenleuchter, die Rund um die Uhr brennen, Frisuren und Perücken, die zeitgenössischer wohl kaum ausfallen können.

Leider gibt es aber auch den einen oder anderen Wehrmutstropfen. Zunächst ist da Jason Clarke, mit dem Mirren bereits in „Winchester: Das Haus der Verdammten“ gespielt hat. Immer haarscharf am Overacting vorbei geht er gerade in gemeinsamen Aufnahmen mit Mirren schlicht unter und wird kaum wahrgenommen. Mit Sicherheit liegt das auch am Mut von Mirren: mit 74 Jahren so viel Haut zu zeigen, ohne dabei beschämt zu sein, bedarf schon großen Talents. In den Soloauftritten wirkt Clarke dann überwiegend eindimensional und schafft es nur knapp, Emotionen abwechselnd oder überzeugend darzustellen.

Ein anderer Kritikpunkt ist die Dramaturgie der Serie selbst. So ist erkennbar, dass zwischen den einzelnen Folgen der Serie immer einige Jahre vergangen sind. Leider wird aber verpasst, zu erklären, was in den Jahren zwischen den einzelnen Folgen passiert ist. Eine kurze textliche Einblendung hätte hier mit Sicherheit Abhilfe geschaffen.

Daher wirkt die geschichtliche Aufarbeitung dann stellenweise arg holprig und stolpernd inszeniert, gerade der innenpolitische Aufstand wird in einem kurzen Nebenstrang abgefrühstückt, genauso die Kehrtwende Katharinas vom ehemalig glühenden Verehrer Voltaires hin zur Verbrennung seiner Werke wird zu kurz abgehandelt.

Catherine the Great (Miniserie mit Helen Mirren)
Gina McKee überzeugt als Gräfin Praskovya Bruce.

Auch die Dialoge sind teilweise etwas deplatziert bzw. sind einfach zu modern, als dass sie in die Zeit Katharina der Großen passen würden. Es sei denn, dass bereits im 17. Jahrhundert Sätze wie „Ach, scheiß was drauf“ gesagt wurden – der Rezensent lässt sich hier gerne belehren.

Herausragend muss noch die Rolle der Gina McKee als Gräfin Praskovya Bruce genannt werden. Sie schafft es, gegen Mirren zu bestehen und ihr ebenbürtig auf der Leinwand zu begegnen. Eine ähnlich gut besetzte Rollenauswahl hätte auch den anderen Nebenrollen gutgetan. Auch Richard Roxburgh alias Grigory Orlov versinkt ein seiner Nebenrolle allzu schnell in die Vergessenheit.

Catherine the Great (Miniserie mit Helen Mirren)

Catherine the Great (Miniserie mit Helen Mirren)

Catherine the Great (Miniserie mit Helen Mirren)

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Fakten
Originaltitel:
Catherine the Great
 
Produktionsjahr:
2019
 
Genre:
Miniserie / Geschichte / Biographie / Drama
 
Laufzeit/Folge:
50 bis 60 Minuten
 
Diese Serie wurde bewertet von:
AL(74%)
 
Texte;
AL
 
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