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Sherlock


Aufmachung Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** ***** **** *** **** *** ***** ***** 95%
 

 
Dank eines kreativen Autorenduos wird die britische Romanfigur Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) samt seines Assistenten Dr. Watson (Martin Freeman) ins heutige London versetzt und darf nun in diesem modernen und zeitgemäßen Kontext leben und ermitteln. Großartige Darsteller, grandiose Dialoge, visuell ausgefeilte Inszenierungen und eine temporeiche Erzählweise lassen diese BBC-Serie in jeder Folge zu einem absoluten TV-Highlight werden. Eine klassische Romanfigur zeigt uns also, was eine heutige TV-Serie inzwischen alles zu bieten haben sollte... Cineclub-Serientipp!

Sherlock (Fernsehserie)
Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) & Dr. Watson (Martin Freeman)


Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) ist der erste und einzige „consulting detective“ (beratender Detektiv) der Welt… jedenfalls laut eigener Aussage. Mit seinen bemerkenswerten geistigen Fähigkeiten und schnellen Schlussfolgerungen ist kein noch so ausgeklügeltes Verbrechen vor ihm sicher. Gleichzeitig ist Sherlock durch seine Art und Weise jedoch schnell gelangweilt von der ihn umgebenden Normalität und mancher Einfältigkeit seiner allzu durchschnittlichen Mitmenschen. Normale Fälle sind für den mit einer schnellen Beobachtungsgabe ausgestatteten Privatermittler daher eher Zeitverschwendung und keine wirkliche Herausforderung. Sherlocks neurotische wie auch misanthropische und exzentrische Art machen den mit Nikotinpflastern versehenen Denker zudem zu einem wahren Einzelgänger in dieser technisch versierten und (für ihn) doch so durchschnittlichen Welt.

In dieser Welt versucht sich nun der pensionierte und mittellose Militärarzt Dr. John Watson (Martin Freeman) irgendwie zu integrieren. Von den Erfahrungen im Afghanistan-Krieg noch gebeutelt, lernt Watson durch einen alten Kollegen den snobistischen Sherlock kennen und da dieser in seiner von Mrs. Hudson (Una Stubbs) günstig vermieteten Wohnung in der Baker Street 221B noch Platz hat, wird aus Holmes und Watson kurzerhand eine Wohngemeinschaft der besonderen Art. Die Zusammenarbeit der beiden unterschiedlichen Männer wird dann auch schnell auf die Probe gestellt, denn während Watson mit seinen posttraumatischen Belastungsstörungen kämpft, wird Sherlock zu einem ganz besonderen Fall gerufen und nimmt seinen Mitbewohner kurzerhand mit. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Methoden und noch ungewöhnlicheren Fähigkeiten sehen einige Mitarbeiter der Polizei in Sherlock zwar eine tickende Zeitbombe, doch mit Detective Inspector Lestrade (Rupert Graves) hat der außergewöhnliche Privatermittler einen Mann in der Behörde, der an ihn glaubt.

Sherlock (Fernsehserie)
Detective Inspector Lestrade (Rupert Graves) benötigt
nicht selten die Hilfe von Sherlock Holmes...

Auch die Gerichtsmedizinerin Molly Hooper (Louise Brealey), die ganz offensichtlich in Sherlock verliebt ist, hilft bei den detektivischen Ermittlungen immer irgendwie weiter, falls nötig. Eine interessante Begegnung hat Watson dann mit Mycroft Holmes (Mark Gatiss), dem älteren Bruder von Sherlock. Mycroft ist als hoher politischer Berater in britischen Diensten tätig und ist auf seine Art nicht minder begabt als sein ermittelnder Bruder. Die Unterschiede zwischen beiden Holmes liegen aber in der Ausführung ihrer Fähigkeiten. So ist Mycroft wesentlich pragmatischer und beschränkt sich bei seinen Schlussfolgerungen stets auf unkompliziertere Wege und Methoden. Zudem kennt er die Stärken seines jüngeren Bruders ebenso gut wie dessen Schwächen und so nutzt Mycroft den Kontakt mit Dr. Watson als Basis für eine indirekte Überwachung von Sherlocks Tätigkeiten.

Auch wenn die beiden Brüder unterschiedlicher nicht sein könnten – neben ihrer Abstammung verbindet Mycroft und Sherlock vor allem ein großer Feind: Jim Moriarty (Andrew Scott). Dieser Mann ist ein kriminelles Genie, welches von Beginn an ebenbürtig agiert und von Sherlock Holmes auch als „Napoleon des Verbrechens“ bezeichnet wird. Dieser Mann ist Sherlock und natürlich vor allem Scotland Yard stets mehrere Schritte voraus und sieht im Privatdetektiv einen Spielgefährten, der zwar gegen ihn agiert, sich jedoch auf seinem Niveau befindet, was Moriarty daher immer wieder zur Höchstform auflaufen lässt. Bei einem weiteren Aufeinandertreffen der beiden Männer steht Sherlocks Ableben im Vordergrund – doch diesmal ist der Ermittler dem verbrecherischen Genie scheinbar einen Schritt voraus…

Sherlock (Fernsehserie)
Superverbrecher Jim Moriarty (Andrew Scott) ist ein Genie -
im Grunde genauso wie Sherlock Holmes...

Und auch die Frauenwelt, mit der Sherlock sich eher selten befasst, bietet für den außergewöhnlichen Detektiv eine besondere Herausforderung. Irene Adler (Lara Pulver), hier als ganz besondere Hostess/Domina/Sexgespielin der Reichen und Mächtigen gezeigt, ist nicht nur attraktiv sondern auch intelligent. Mit ihrem (durch die „Arbeit“ gesammelten) Wissen ist sie eine Bedrohung für das britische Establishment und mit ihrer Attraktivität eine Gefahr für Sherlock, welcher sich in Irenes Gegenwart nur schwerlich konzentrieren kann. Wenn Gefühle eine Rolle spielen, ist nämlich auch ein perfekt funktionierendes Gehirn wie das von Sherlock Holmes nur bedingt leistungsfähig. Damit ist die undurchsichtige Irene Adler für den Detektiv bald schon „die Frau“ und wird von ihm sogar vor dem sicheren Tod gerettet…

Voll mit Gegenspielern, Ungläubigen, wenigen Weggefährten und allerhand Machtspielen ist der Weg von Sherlock Holmes also kein leichter – für ihn ist das zwar ein Segen, für seine Mitmenschen jedoch nicht selten genug ein echter Balanceakt. Und als Dr. Watson, der bald schon die nicht auf den Mund gefallene Mary Morstan (Amanda Abbington) ehelicht, auch noch einen Internet-Blog anlegt, in welchen er über Sherlock und die gemeinsamen Fälle berichtet, ist der Privatdetektiv vor allerhand Presse und Klienten bald nicht mehr sicher. Zudem bahnt sich mit Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen) auch schon ein weiterer gefährlicher Gegenspieler an…

Sherlock (Fernsehserie)
Mycroft Holmes (Mark Gatiss) ist als Sherlocks Bruder
stets auf dessen Sicherheit bedacht... oder?


Wer im britischen Englisch nicht sonderlich bewandert ist, wird mit dem Originalton sicherlich seine Probleme haben. Natürlich wurde diese erfolgreiche BBC-Serie synchronisiert und das auch gut. Jedoch verpasst man in der deutschen Vertonung die Originalstimme von Benedict Cumberbatch - und das wäre verdammt schade! Unfassbar tief, charakterstark und derbe cool kommt Cumberbatch nämlich als Sherlock Holmes daher und das liegt zu mindestens 50% eben an dessen Stimme. Allein Szenen wie zum Beispiel die in der zweiten Staffel, wo er mit Kollege Martin Freeman unvorbereitet im Buckingham Palace (dem Residenz der britischen Monarchen im Herzen Londons) sitzen darf und beide aufgrund der obskuren Situation anfangen zu lachen, macht (vor allem im Originalton!) klar, wie hervorragend die beiden Rollen besetzt wurden. Die beiden Schauspieler agierten übrigens bereits in „Der Hobbit“, wo Freeman bekanntlich den Titelhelden verkörpert und Cumberbatch den goldenen Drachen „Smaug“ aus Mittelerde im Originalton spricht. Also wer die Serie „Sherlock“ auf Deutsch bereits kennt, sollte sich alles noch einmal mit der englische Tonspur zu Gemüte führen… das wird großartig!

Sherlock (Fernsehserie)
Irene Adler (Lara Pulver) ist für Sherlock schnell "die Frau"...

Zudem ist diese Serienvariante des britischen Romanhelden bis ins Detail perfekt gelungen und gut durchdacht. Man merkt, dass sich die Macher ernsthaft Gedanken gemacht haben und die klassischen Bezüge zu den Büchern mit modernen Stilmitteln verbinden wollten und dies auch hervorragend schaffen. Da wird für die schnelle aber tiefgründige Erzählweise (nicht selten gibt es parallele Handlungen) mal Bild in Bild gearbeitet und die Gedanken von Personen werden schriftlich mitten in der jeweiligen Szene eingeblendet. Von großem Nutzen ist dies vor allem bei den Beobachtungen von Sherlock Holmes, die in der Eile einer jeden Ermittlung kaum nachvollziehbar wären. Handy-Texte werden kurz mit Worten dargestellt und die ersichtlichen Hinweise im Kopf der Hauptfigur werden in Bild und Ton entsprechend aufgezeigt. Zudem kann sich der britische Privatdetektiv in dieser modernen Umsetzung nun all jener zeitgemäßen Hilfsmittel bedienen, die zur Aufklärung eines Verbrechens dienen. Moderne Kommunikations- und Beweissicherungsmittel sind hier also Gang und Gäbe und doch ist es zumeist immer der objektiven Genialität des sich schnell langweilenden Sherlocks zu verdanken, dass der wahre Täter am Ende stets überführt wird.

Sherlock (Fernsehserie)
Ein weiterer Gegenspieler für Sherlock:
Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen).

Jene Mittel sind es aber auch, welche sich die Gegenspieler zu Nutze machen. Vor allem Jim Moriarty nutzt als Mathegenie und Computerfachmann die Schwächen des technischen Fortschritts für seine perfiden Pläne und scheint somit unschlagbar und fast unerreichbar. Die bereits erwähnte Irene Adler hat derweil all ihre Druckmittel auf ihrem persönlichen Smartphone/Mini-Computer gesichert, womit auch hier wieder die Technik als Mittel zum Zweck dient. Und zu guter Letzt ist es dann ein Internet-Blog von Dr. Watson, der Sherlock Holmes und seine Fähigkeiten mehr und mehr an die Öffentlichkeit trägt. Dieser hat selbst allerdings auch Mittel und Wege außerhalb aller Technik, die er sich für seine Ermittlungen zu Nutze machen kann. So z.B. das Obdachlosennetzwerk, denn all die Menschen, die auf der Straße leben, wirken so unauffällig, dass sie oft die besten Beobachter sind. Zudem scheint die Droge Nikotin dem eigenwilligen Sherlock beim Denken zu helfen und auch das Geigenspiel tut dem ruhelosen Detektiv manchmal Not.

Was also bleibt, ist eine absolut gelungene Mischung aus Neuzeit und Klassik. Besetzt mit den bestmöglichen Darstellern, humorvollen und gleichzeitig ansprechenden Dialogen, tiefgründigen Charakteren und schneller aber gleichzeitig ruhiger (da gut positionierter) Darstellung aller wesentlichen Fakten einer jeden Folge ist die Serie „Sherlock“ zu einem Highlight der aktuellen TV-Landschaft geworden und zu einem Vorbild für zukünftige Serien im Allgemeinem. Cineclub-Serientipp!

Sherlock (Fernsehserie)


  • Für die Außenaufnahmen der "Baker Street 221B" diente die North Gower Street in London.
  • Die einzelnen Staffeln der Serie sind stets auf drei rund 90-minütige Folgen beschränkt. 2015/2016 gab es eine Spezialfolge (die auch als vierte Folge der 3. Staffel gilt) und seit 2017 läuft die 4. Staffel.
  • In einer Episode sind die Eltern von Sherlock Holmes zu sehen. Diese werden witziger Weise von Timothy Carlton und Wanda Ventham verkörpert - den leiblichen Eltern von Benedict Cumberbatch.

  • Sherlock

  • Die beiden Schauspieler Martin Freeman und Amanda Abbington, die in dieser Serie ein Paar spielen und in Staffel 3 sogar heiraten, waren bis 2016 auch im wahren Leben verheiratet.
  • Es gibt in der Serie eine wesentliche Figur, die es in den Romanen von Sir Arthur Conan Doyle nicht gibt - Molly Hooper. Die Gerichtsmedizinerin wurde eigens für die Serie entworfen. Dagegen liegt der in Staffel 3 erstmals einscheinende Gegenspieler Charles A. Magnussen der Kanon-Figur des Charles A. Milverton zugrunde. Verkörpert wird die Figur von Lars Mikkelsen, dem Bruder von Schauspielstar Mads Mikkelsen.
  • Sherlock (Fernsehserie)

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    Fakten
    Originaltitel:
    Sherlock
     
    Produktionsjahr:
    2010 - 0000
     
    Genre:
    Krimi / Mystery / Thrill / Dramedy
     
    Laufzeit/Folge:
    90 min
     
    Dieser Film wurde bewertet von:
    Conway(95%)
     
    Texte:
    Conway
     
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    Synchronsprecher

    SchauspielerSynchronsprecher
    Benedict CumberbatchTommy Morgenstern
    Martin FreemanSebastian Schulz
    Una StubbsSonja Deutsch



    TV-Termine

    DatumUhrzeitSender
    05.06.2017 21:45 ARD
    04.06.2017 21:45 ARD
    ²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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