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leer World Taxi


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** ** ** - ** * **** **** 60%
 

 
Für die einen ein lästiges Übel, für viele jedoch willkommene Abwechslung während einer Reise: Die Gespräche mit der Taxifahrerin oder dem Taxifahrer. Philipp Majer erzählt anhand von Beispielen aus fünf Städten der Welt vom Alltag und den Erlebnissen des Taxis.

World Taxi, Dokumentarfilm von Philipp Majer


Das naheliegendste und doch unbekannteste Beispiel ist Bambi, die nachts in Berlin fährt. Sie hat dadurch ein internationales und ziemlich junges Publikum voller Partygänger. Das Durchschnittsalter der Fahrgäste ist dabei eine der Gemeinsamkeiten zu Mamadou, der in Dakar fährt und dessen Fahrzeug sein ganzer Stolz ist. Das gilt auch für Tony, der in Bangkok lebt und auch gerne mal über die politischen Irrungen und Wirrungen mit seinen Fahrgästen philosophiert. Mit Politik, Korruption und den Auswirkungen des Krieges kennt sich auch Destan bestens aus, der mit seiner Frau in Prestina lebt und seinen alten Mercedes selbst zum Taxi umgebaut hat. Ganz anders sieht das Sergio, der seine Brötchen damit verdient, Amerikaner von El Paso über die Grenze nach Mexiko zu bringen und wieder zurück (z.B. zu medizinischen Behandlungen).

Über 24 Stunden verfolgt Regisseur Philipp Majer (in abwechselnden in einander geschnittenen Episoden) den Berufsalltag und das private Leben dieser fünf Protagonisten, wodurch sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede deutlich werden.

World Taxi, Dokumentarfilm von Philipp Majer
Destan fährt mit seinem Taxi in Pristina im Kososo.


Philipp Majer und Produzentin Marion Bellaire ist ein Film gelungen, der durch sein Thema und die charismatischen Figuren sofort Interesse weckt und dank seiner Bildsprache prädestiniert für die große Kinoleinwand ist. Abwechselnd ist die Kamera ganz nah an den Gesichtern der Figuren und fokussiert dazwischen immer wieder mit nachdenklichen Blicken auf die am Seitenfenster vorbeiziehende – oft ziemlich unästhetische – Landschaft (die auch schon mal in Zeitlupe abläuft, um das hektische Treiben vollends zur Geltung zu bringen). Wer häufiger mit dem Taxi fährt, wird beides kennen. Bezeichnend ist außerdem der eingeschlafene Fahrgast, der freundlich aber bestimmt kurz vor der Ankunft geweckt wird.

Herausfordernd für den Zuschauer ist das Sprachenwirrwarr und die ständigen Untertitel, die insbesondere in Dakar, wo einmal drei Frauen und ein weiteres Mal vier Männer durcheinanderreden, kaum nachkommen. Das geht sicherlich besser, aber man kann wohlwollend darüber hinwegsehen, wenn man erkennt, dass ausgerechnet die Berliner Gespräche, bei denen man alles versteht, haarscharf an der „Fremdschäm-Grenze“ vorbeischippern. Ob der Film zudem den Essensvergleich gebraucht hätte, bei dem u.a. die US-Chipstüte und das deutsche Hundemenu in Szene gesetzt werden, sei einmal dahingestellt.

World Taxi, Dokumentarfilm von Philipp Majer
Es wird munter über das Schicksel von Zweit-, Dritt- und Viert-Frauen diskutiert.

Musikalisch bietet World Taxi wenige aber gezielt eingesetzte Klänge, was nicht stört, aber auch eine verpasste Chance darstellt. Denn fast jeder Taxifahrer, mit dem ich bislang unterwegs war, hatte auch seine Lieblingsmusik oder – noch besser – verstand es, schnell und geschickt eine Gemeinsamkeit im Musikgeschmack zu finden.

Seit einer unerwarteten, positiven Gesprächs-Erfahrung auf einer Taxifahrt zwischen Paris und Cergy, habe ich auf eine Gelegenheit gewartet, mehr über die Taxi-Gespräche dieser Welt zu erfahren. Ein Wunsch, der mit diesem Film erfüllt wird. So erlebt man eine gesunde Mischung aus authentischem Rückbank-Voyeurismus und individuellen, philosophisch-reflektierten Lebenssituationen.

World Taxi, Dokumentarfilm von Philipp Majer
Der Verkehr in Bangkok.

World Taxi, Dokumentarfilm von Philipp Majer
Tony pflegt sein Taxi wie eine Frau.

World Taxi, Dokumentarfilm von Philipp Majer
Regisseur Philipp Majer.

World Taxi, Dokumentarfilm von Philipp Majer

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Fakten
Originaltitel:
World Taxi
 
deutscher Kinostart am:
11.06.2020
 
Genre:
Dokumentation
 
Regie:
Philipp Majer
 
Dieser Film wurde bewertet von:
RS(60%)
 
Texte:
RS
 
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