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leer Jim Knopf und die Wilde 13


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
*** ***** **** **** **** - **** **** 82%
 

 
„13 Kerle auf dem Totensarg...“

Jim Knopf und die Wilde 13


Während des seltenen aber heftigen Regens prallt das Postschiff ans Ufer von Lummerland, der kleinen Insel mit zwei Bergen, auf der Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer und seine Freunde leben. Jim hat eine geniale Idee: Als Leuchtturm soll aus Platzgründen der Scheinriese Tur Tur aus der Wüste nach Lummerland geholt werden. Eigentlich so groß wie ein normaler Mensch, von Weitem aber der größte Leuchtturm, den man sich vorstellen kann. Auf ihrer Reise erfahren sie vom Goldenen Drachen der Weisheit (Shirley MacLaine bzw. Judy Winter), was zu tun ist, um endlich Jim‘s Herkunft herauszufinden.

Wäre da nur nicht die „Wilde 13“, die auf Kinderhandel spezialisierte Piratenbande, die nach wie vor mit den Drachen aus Kummerland Geschäfte macht, um ihren Schnapsbedarf zu sichern. Bei einer großen Seeschlacht kommt es zur entscheidenden Wendung…

Jim Knopf und die Wilde 13
Die Piratenbande "Wilde 13" (komplett und perfekt verkörpert von Rick Kavanian)


Alle Charaktere und deren Schauspieler aus dem ersten Teil sind erfreulicherweise wieder mit von der Partie. Als Erzähler ist mit einigen wenigen Sätzen Thomas Fritsch zu hören, der auf die Geschichte einstimmt und am Ende des Abenteuers auch das Publikum wieder verabschieden kann.

Henning Baum, der immer häufiger als „nächster Bud Spencer“ Erwähnung findet und auch im zweiten Teil wieder kräftig austeilen darf, spielt Lukas, den gutmütigen Lokomotivführer mit Bärenkräften und weichem Kern. Solomon Gordon ist erneut als Jim Knopf dabei, der auch hier wieder haarscharf an Altklugheit vorbeischrammt und immer die rettende Idee hat, wenn sie gebraucht wird. Bei der Augsburger Puppenkiste hat das eher Lukas übernommen, der auch immer noch die passende Erklärung abgab. Milan Peschel ist glücklicherweise wieder als Herr Tur Tur dabei, mein Lieblingscharakter aus dem ersten Teil. Perfekte Besetzung und Interpretation.

Die mir bis dato völlig unbekannte Sonja Gerhardt spielt die naiv-attraktive Meerjungfrau mit Liebeskummer - Sursulapitschi, Tochter von König Lormoral, der im Film leider genau so ausgespart wird wie die gesamte Unterwasserwelt. Da ging die Puppenkiste deutlich mehr ins Detail. Ebenso fehlen (sicher aus Kostengründen) ihr Verlobter, der Schildnöck Uschaurischuum, die Explosion des Staatsschiffs des Kaisers von China sowie einige weitere kleine Gimmicks, die im charmanten Original nicht wegzudenken sind.

Jim Knopf und die Wilde 13
Meerjungfrau Sursulapitschi (Sonja Gerhardt) ist die Tochter von König Lormoral.

Absolut spitze ist natürlich Rick Kavanian als Wilde 13 (ja, alle 12…), der sichtlich Freude an der Arbeit hat und in ständiger Interaktion und im Dialog mit sich selbst agieren muss. Hierbei kommt auch seine Bandbreite zwischen dusseligem Tollpatsch und eiskalt-brutalem Piraten zum Tragen. Sehr hilfreich ist hier natürlich auch, dass die Truppe schon immer gut und vielschichtig geschrieben war. Auch sein langjähriger Freund und Kupferstecher Michael „Bully“ Herbig ist wieder als manisch depressiver CGI-Halbdrache Nepomuk zu hören, der froh ist, eine Aufgabe zu bekommen, nachdem er von den Drachen nun endgültig verbannt wurde.

Bleibt noch das „Lummerländer Trio“ zu erwähnen, bestehend aus Annette Frier als nicht omihaft genug wirkende Frau Waas, der ich auch diesmal ihre überwältigende Sehnsucht nach und Sorge um Jim Knopf nicht abkaufe, Christoph Maria Herbst, der ausgerechnet den ängstlichen, bescheidenen, schicksalsergebenen und stets adretten Herrn Ärmel mimt, sowie Uwe Ochsenknecht als König Alfons, dessen Wortverdreher bei den kleinen Zuschauern nicht ankommen, bei den großen eher nerven dürften.

Jim Knopf und die Wilde 13
vlnr: Jim Knopf (Solomon Gordon), Frau Waas (Annette Frier), Herr Tur Tur (Milan Peschel), König Alfons (Uwe Ochsenknecht) und Herr Ärmel (Christoph Maria Herbst)

Die Geschichte wird in 110 Minuten sehr rund und spannend erzählt, dennoch schaffte es die Augsburger Puppenkiste in derselben Zeit, mich noch mehr in den Bann zu ziehen. Ich muss zugutehalten, dass ich bei der ersten Sichtung um die fünf Jahre alt war… Kulisse und Kostüme sind nach wie vor beeindruckend und authentisch, die Drachen-CGI wirkt allerdings etwas „schwammig“, da hat man sich bei Ricks Piratenensemble mehr Mühe gegeben. Was völlig in Ordnung ist, denn dieses stand ja im Mittelpunkt.

Der Rückweg am Ende wird per Landkarte „gerusht“, ohne nochmal bei den Stationen und Entwicklungen vorbeizuschauen. Dafür gibt es eine Art Bonusszene mit erhobenem Zeigefinger („Wir schaffen das…“). Der Untergang von Burg Sturmauge ist spannend in Szene gesetzt, Jamballa wirkt allerdings trotz oder gerade wegen der gewaltigen Größe beklemmender, enger und ungemütlicher als Lummerland. Wie schafft man sowas?! Als Einheimischer hätte ich das Ding gleich wieder versenkt.

Molly wird nun doch nicht zum Kristall der Ewigkeit... Vielleicht deshalb, weil einige Kinder diesen Vorgang eher mit Tod als mit dem, was es eigentlich ist, in Verbindung gebracht hätten. Ich fand die Idee auch mit fünf Jahren schon sehr schön. Die Melodie des Lummerland-Liedes (der Komponist heißt übrigens „Amann“ und nicht „Armann“, wie leider im Abspann zu lesen) untermalt erneut den Film, und als Zugabe glänzt Kavanian mit dem Piratenlied. Schön, dass man den Originaltext hier beibehalten hat, obwohl der Begriff „Klaps“ für „Schwips“ heute sicher aus der Mode gekommen ist.

Die FSK 0 überrascht, gibt es doch einige düstere Szenen sowie Begriffe wie „Fresse“, was allerdings der Thematik geschuldet ist. Wichtig auch für die Reichweite, gerade in diesen unschönen Zeiten, von daher nicht der Rede wert. Geht in Ordnung.

Fazit: Eine klare Empfehlung und sogar noch besser als der sehr gute erste Teil. Auch der äußerst kritische Michael Ende wäre hier sicher zufrieden gewesen. Die Länge hätte man deutlich besser nutzen können, dennoch unterhält auch der zweite Teil von Anfang bis Ende. Die ganz Kleinen sollten sich aufgrund der etwas komplizierten Handlung, der plot holes (wo und warum war jetzt nochmal welche Lokomotive?) und des Vorgängers vielleicht erst mit Buch, Hörspiel oder Augsburger Puppenkiste vertraut machen. Dennoch bleibe ich dabei, dass man eine Realverfilmung dieser vielschichtigen Story kaum besser für Jung und Junggeblieben hätte inszenieren können.

Jim Knopf und die Wilde 13

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Fakten
Originaltitel:
Jim Knopf und die Wilde 13
 
deutscher Kinostart am:
01.10.2020
 
Genre:
Abenteuer / Familienspaß / Fantasy
 
Regie:
Dennis Gansel
 
Länge:
ca. 109 Minuten
 
FSK der Kinofassung:
ab 0 freigegeben /
Freigegeben ohne Altersbeschränkung
 
Kinoverleih:
Warner
 
Dieser Film wurde bewertet von:
JFK(82%)
 
Texte:
JFK
 
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