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Suffragette – Taten statt Worte


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
*** * * * ** - *** *** 47%
 

 
Sehr zum Unmut ihres Mannes Sonny (Ben Wishaw) stößt die Wäscherin Maud (Carey Mulligan) Anfang des 20. Jahrhunderts zu den Suffragetten und kämpft mit ihnen für das Wahlrecht der Frauen. Regisseurin Sarah Gavron versuchte einen Spagat zwischen Geschichtserzählung und fiktiver Tragik, der leider vor allem Vorhersehbarkeit und Langeweile produziert hat.

Suffragette - Taten statt Worte


Als die Wäscherin Maud Watts (Carey Mulligan) zufällig Zeugin wird, wie die Suffragetten in London Schaufensterscheiben einschmeißen, und dabei ihre Arbeitskollegin Violet (Anne-Marie Duff) unter den Kämpferinnen wiedererkennt, ahnt sie noch nicht, dass dies der Wendepunkt in ihrem Leben sein soll. Wenig später kommt Maud unverhofft dazu, vor dem House of Lords für das Wahlrecht der Frauen vorzusprechen. Damit gerät sie aber auch unweigerlich in Fänge von Inspector Arthur Steed (Brendan Gleeson), der die Frauen in East London schon seit einiger Zeit überwachen lässt und sichtlich darum bemüht ist, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten.

Wenig später kommt es nach der Verkündung des Scheiterns eines Gesetzentwurfs zum Wahlrecht der Frauen zu einem Tumult, in dessen Verlauf auch Maud verhaftet wird. Dies führt zu ersten Spannungen zwischen ihr und ihrem Mann Sonny (Ben Wishaw), der ihren gemeinsamen Sohn George als sein Eigentum ansieht und von Maud fordert, sich aus dem Kreis der Suffragetten zurückzuziehen. Doch Maud ist längst überzeugt und möchte außerdem unbedingt die Chance nutzen, die berühmte Anführerin Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) zu ihren Anhängern sprechen zu hören…

Suffragette - Taten statt Worte
Emily Wilding Davison (Natalie Press) und Maud Watts (Carey Mulligan)
beim English Derby von Watson.


Drehbuchautorin Abi Morgan und Regisseurin Sarah Gavron näherten sich mit ihrem Film einem wichtigen Stoff und bedeutenden Personen der Geschichte der Frauenbewegung. Hierzu vermischten sie die authentischen Ereignisse um den Tod von Emily Wilding Davison (im Film gespielt von Natalie Press) beim English Derby von Watson am 4. Juni 1913 mit der fiktiven Geschichte der Wäscherin Maud Watts und ihrer Familie. Dadurch dass der Filmhöhepunkt zumindest einem Teil des Publikums damit von vornherein klar ist, hätte der Film also Überraschungsmomente oder zumindest szenische Spannung aus der Entwicklung der Hauptfigur ziehen müssen. Doch bis auf einen guten Dialog zwischen Maud und ihrem Ehemann, in dem es um den Namen und das Leben einer möglichen Tochter der beiden geht, bleiben weite Teile des Films so vorhersehbar und blass wie die Düsternis der Farben, die selbst so opulenten Kulissen wie dem Londoner Regent’s Park in diesem Film auferlegt wurden.

Die zweite Person der Geschichte, die ihren Platz in diesem Film und auch auf dem Filmplakat gefunden hat, ist die oft zitierte Emmeline Pankhurst. Die ansonsten vor allem im Portrait an allerlei Wänden Hängende tritt in einer Szene auf einen Balkon und hält eine kurze Rede. Nach wenigen Minuten ist sie auch schon wieder von der Bildfläche verschwunden – zum Glück. Denn Meryl Streep für diese Rolle zu besetzen, war angesichts ihres Auftritts als Eiserne Lady sicherlich kein Glücksgriff. Dies trifft überhaupt auf einige der mitwirkenden Stars zu. Brendan Gleeson zum Beispiel hat nur eine stärkere Szene, in der er durch einen Gefängniskorridor schreitet, es sich aber nach Vernehmen von Schreien aus der Zelle wieder anders überlegt. Ansonsten kann auch er kaum Akzente setzen.

Suffragette - Taten statt Worte

Gleich mehrere Stellen des Films hätten das Potential gehabt, mit den geeigneten Mitteln sehr intensive emotionale Wirkung zu erzeugen. Doch anstatt diese Höhepunkte auszuarbeiten oder zumindest der Musik von Alexandre Desplat mehr Freiraum zu gewähren, wählte Kameramann Edu Grau lieber eine Handkamera, mit der künstliche Nähe aber auch jede Menge Wackelei erzeugt wurde.

Neben all der negativen Kritik muss man aber auch noch ein paar lobende Worte verlieren. Neben Hauptdarstellerin Carey Mulligan, die ihre Figur der Maud Watts ordentlich in Szene setzt, spielt an ihrer Seite Anne-Marie Duff als Violet Miller groß auf. Sie ist die einzige Konstante im Film, eine vom Drehbuch wunderbar gezeichnete und von der Darstellerin emotional wirkungsvoll in Szene gesetzte Persönlichkeit.

Suffragette - Taten statt Worte
Maud Watts (Carey Mulligan) und Violet Miller (Anne-Marie Duff).

Dass der Film mit ein paar zusammengeschnittenen authentischen Archivbildern und einer Jahresleiste der Internationalen Frauenwahlrechtseinführungen endet, hinterlässt einen fahlen Beigeschmack, der aber zum Gesamtwerk passt. Man erfährt nicht, was aus unserer Hauptperson geworden ist – oder aus ihrer Familie.

So wichtig die filmisches Aufarbeitung des Themas an sich ist, dieser Film verschenkt eindeutig viel zu viel Potential. Schade.

Suffragette - Taten statt Worte
Hugh (Finbar Lynch) und Edith Ellyn (Helena Bonham Carter)
betreiben gemeinsam eine Apotheke, die die Zentrale
der Suffragetten in Ost-London ist.

Suffragette - Taten statt Worte

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Fakten
Originaltitel:
Suffragette
 
deutscher Kinostart am:
04.02.2016
 
Genre:
Drama / Historienfilm
 
Regie:
Sarah Gavron
 
Dieser Film wurde bewertet von:
RS(47%)
 
Texte:
RS
 
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Synchronsprecher

SchauspielerSynchronsprecher
Anne-Marie DuffShandra Schadt
Carey MulliganSophie Rogall
Ben WishawTobias Nath



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