Insider beleuchten in teilweise selbstkritischen Interviews die aktuelle Situation der weltweiten Finanzwelt und die Gründe für die aktuelle und noch kommende Finanzkrise(n). Dokumentation von Erwin Wagenhofer.
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Wenn die Kamera zum wiederholten Mal den verschmutzten indischen Fluss einfängt und der österreichische Manager die hiesige Umweltsituation mit einer laschen Bemerkung abtut, bildet sich beim Zuschauer bereits ein komisches Gefühl. Und in der Tat hat Erwin Wagenhofer es geschafft, eine Reihe authentischer Situationen und Szenen aus unterschiedlichsten Regionen der Welt mit einigen Interviews, die er geführt hat, so ineinander zu schneiden, dass ein rundes Werk entstanden ist, dass völlig ohne Kommentar aus dem Off auskommt. Vielmehr wirken vor allem die gezeigten Bilder – unterbrochen nur durch Schlagzeilen, die den Film in mehrere Kapitel unterteilen.
Filmen, die gezielt eine Meinung erzielen wollen, kann man natürlich durchaus mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen. Die Abneigung des Regisseurs gegen Neo-Liberalismus im Allgemeinen und die Machenschaften der Weltbank im Speziellen ist besonders im mittleren Teil des Films unübersehbar. Hier fällt die eine oder andere Sekunde Bedenkzeit, die dem Zuschauer gegönnt wird, dann auch etwas zu lang aus.
Jerseys Finanzminister lobt ganz offen und ehrlich sein Bankensystem...
Dass einige der interviewten „Insider“ der Finanzbranche im Film klar angeben, nur deshalb Unrechtes zu tun, weil es nicht verboten ist, verwundert dann schon ein wenig. Wesentlich glaubwürdiger wirkt da schon ein Finanzminister von Jersey, der sein Bankensystem lobt, oder der Sprecher einer Hotelkette, der das Filmteam durch die Baustelle des nächsten spanischen Palastes führt. Insbesondere in diesem Teil des Films, der sich mit der spanischen Immobilienblase befasst, offenbaren sich erstaunliche Erkenntnisse, die der Regisseur mit eindrucksvollen Luftaufnahmen menschenleerer Geisterstädte an der spanischen Küste untermalt: Laut einer Aussage im Film stehen dort 3 Millionen Wohnungen leer, die nur als Investitionsobjekt (z.B. in der Nähe von Golfplätzen) gebaut wurden. Eine Geldanlage, die in Zeiten steigender Immobilienpreise bis zu 20% pro Jahr bringen kann.
Während zahlreiche Thesen des Films nicht von der Hand zu weisen sind (als Beispiel sei hier die fehlgeleitete Entwicklungshilfe angeführt, die vielfach zu enormer Staatsverschuldung geführt hat), vereinfacht er an anderer Stelle die Dinge doch etwas zu sehr: Ein ehemaliger amerikanischer „Wirtschaftskiller“ etwa, der den Irak-Krieg auf das Unvermögen der Amerikaner zurückführt, Sadam Hussein zu korrumpieren (durch eben diese Wirtschaftskiller) oder zu ermorden (durch Schakale), spricht zwar eine nicht ganz unbekannte Meinung hier öffentlich aus – Beweise für diese Aussage bleibt der Film jedoch schuldig…
Spaniens Küste wird bebaut. Doch wer hat am Ende wirklich den Nutzen?
"Let’s Make Money" gelingt es, die oft einseitig auf die Börse fokussierten Medienberichte über die Finanzwelt (und die Finanzkrise) in einen globaleren Zusammenhang zu rücken. Nach gut 110 Minuten, die zu keiner Minute langweilig werden, darf sich dann der Zuschauer selbst die Frage stellen, wie viele der neuen Erkenntnisse er seiner persönlichen Meinung hinzufügt und welche Konsequenzen man in Sachen Geldanlage oder Protest ziehen kann und sollte.
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