Sie führt Tagebuch. Das ist alles, was der Geschichtslehrerin Barbara Covett (Judi Dench) noch geblieben ist. Und doch hat sie die Hoffnung auf eine neue Freundschaft, eine neue Gleichgesinnte, eine neue Liebe noch nicht aufgegeben. In der neuen Kunstlehrerin Sheba (Cate Blanchett), die sie zunächst nur aus der Entfernung abschätzt, meint Barbara jene Anzeichen zu erkennen, die die beiden Frauen zusammenführen könnten. Und tatsächlich entwickelt sich schnell eine Freundschaft. Sheba ergreift die helfende Hand der Kollegin nur allzu gern, hat sie doch einige Schwierigkeiten, mit ihren pubertierenden Schülern fertig zu werden.
Sheba lädt Barbara zu sich nach Hause ein und vertraut ihr ihre geheimsten und intimsten Gedanken über ihre Ehe mit dem 20 Jahre älteren Richard (Bill Nighy) an, mit dem sie zwei Kinder hat. Umso erstaunter ist Barbara, als sie Sheba zufällig bei einer sexuellen Begegnung mit einem ihrer Schüler beobachtet. Zur Rede gestellt, erzählt Sheba ihrer Freundin alle Details ihrer Affäre mit Steven Connolly (Andrew Simpson) und verspricht diese direkt nach Weihnachten zu beenden.
Barbara befindet sich nun in einer sehr komfortablen Situation. Ihre Freundin steht in ihrer Schuld. Nun muss sie ihr Wissen nur noch so geschickt ausnutzen, dass sie Sheba am Ende ganz für sich allein hat...
Kritik:
Barbara handelt aus Liebe und ist überzeugt davon, ihrer Freundin zu helfen, während Sheba vor allem die Vertrauensperson braucht, der sie alle ihre Ängste und Gefühle mitteilen kann. Und daran ändert sich selbst dann noch nichts, als Sheba schließlich Barbaras Absichten erkannt hat: Nach einem kurzen Ausbruch (die Flucht in die Hände der Pressemeute) lässt Sheba sich ausgerechnet von Barbara aus dieser Situation retten...
Judi Dench verkörpert die tragische Figur der Barbara Covett mit einer solchen Vielschichtigkeit, dass es einen immer wieder überrascht. Auf der einen Seite gibt es die absolute Ehrlichkeit gegenüber dem Tagebuch, mit der die Stimme aus dem Off dem Zuschauer die Gedankenwelt der Lehrerin verrät. Dem gegenüber steht die gnadenlose, berechnende Seite, mit der Barbara ihre Ziele erreicht. Und schließlich berührt ihre Verletzlichkeit und die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation den Zuschauer so intensiv, dass man kaum wütend auf sie sein kann, obwohl sie das Leben ihrer Freundin zerstört.
Cate Blanchett liefert hierzu den perfekten Gegenpart. Sie spielt mit einer überraschenden Natürlichkeit. Es fällt leicht, sich mit ihrer Situation zu identifizieren. Und obwohl ihre Affäre natürlich ein Fehler ist, kann man mitfühlen, wie sehr sie Stevens Zärtlichkeit und seine Begierde braucht. In allen gemeinsamen Szenen von Andrew Simpson und Cate Blanchett stellte Regisseur Richard Eyre die erotischen Aspekte in den Mittelpunkt und bietet Andrew Simpson zudem die Möglichkeit, in Gegenwart der großen Stars eigene Akzente zu setzen.
Untermalt von stimmungsvoller und gezielt eingesetzter Musik sowie mit Einsatz symbolischer Szenen (z.B. die Parkbank), die sich an unterschiedlichen Stellen im Film und unter verschiedenen Umständen wiederholen, inszenierte Richard Eyre diese tragische Geschichte der unerfüllten lesbischen Gefühle ungewöhnlich realistisch. „Tagebuch eines Skandals“ ist ein filmisches Highlights des Jahres 2007, das man auf keinen Fall verpassen sollte, wenn man anspruchsvolles Kino mit starken Frauen mag.
In einer Filmkritik zu diesem Film darf natürlich auch Gisela Fritzsch nicht unerwähnt bleiben, die Judi Dench in der deutschen Version synchronisiert hat und (vor allem bei den Erzählungen aus dem Off) einen großen Anteil an der sehr intensiven Wirkung von Barbara Covett hat.
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