Das brasilianische Drama über das Elendsviertel von Rio de Janeiro ist wahrscheinlich einer der ergreifendsten Filme der letzten Jahre. Eine brillante Erzählweise und gute Laienschauspieler tun ihr Übriges.
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- [Synchronsprecher]
Die City of God oder Cidade de Deus ist eine der Armenvorstädte Rios. Hier kommt nur wenig des Glamours von Carneval oder Zuckerhut hin. Und in dieser Vorstadt herrschen Drogenhandel und Bandenkriege.
Die Geschichte beginnt in den 60ern und wird von Buscapé (Alexandre Rodrigues) in einer langen Rückblende erzählt. Schon als Junge träumt Buscapé davon, Fotograf zu werden. Im Grunde ist er auch viel zu klein und zu schmächtig, um wie seine gleichaltrigen Kameraden Löckchen und Bené eine Kriminellen-Karriere anzustreben. Löckchen hat schon in jungen Jahren die besten Ideen für Raubüberfälle und stiftet eine Gang zu einem Überfall auf ein Bordell an, der die City of God nachhaltig verändert.
Buscapé gerät als Jugendlicher zwischen die Fronten.
Einige Jahre später ist die City of God zu einem Drogenhandelsplatz verkommen. Sandro Cenoura, genannt Karotte (Matheus Nachtergaele), ist einer der großen Drogenbarone, doch eines Tages beschließt Löckchen, inzwischen Zé Pequeño oder Locke (Leandro Firmino da Hora), ins Drogengeschäft einzusteigen. Er beherrscht inzwischen sowieso das ganze Viertel. Sein Freund Bené (Phelipe Haagensen) schützt wiederum Karotte, so dass dieser als einziger neben Locke als Drogengroßhändler geduldet wird. Doch als Bené ums Leben kommt, steht Karotte auf Lockes Liste ganz oben. Von nun an herrscht statt der von Locke verordneten Ruhe wieder der Bandenkrieg und schon 5jährige bewaffnen sich, um den Mord an ihrem Vater zu rächen. Ein ewiger Teufelskreis.
Locke (Leandro Firmino da Hora) hat alles im Griff.
Kritik:
Paulo Lins’ Bestseller-Roman "Cidade de Deus“ war die Vorlage für diese wunderbare Filmperle. "City of God“ zeigt brasilianische Realität ohne Weichzeichner. Regisseur Fernando Meirelles stellt die Gewalt nicht in den Vordergrund, sondern die damit verbundene Tragik und die Idiotie mit der sie eingesetzt wird. Zwar geht einem der Film ans Herz, doch hat man gleichzeitig eine derartige Distanz zum Geschehen, dass man immer noch rational und objektiv beurteilen kann.
Besonders gelungen ist die verschlungene Erzählweise des Films. Man kommt keine Sekunde davon los. Unter anderem ist es wohl der Verdienst des Off-Erzählers, dass die Gewalt fast nebensächlich erscheint. Auch so ein weiteres Mysterium des Films: Der Off-Erzähler, der in vielen Filmen nervt, kommt hier wunderbar an den richtigen Stellen zum Einsatz. Würde er nicht viele Dinge zusammenfassen, wäre der Film wohl fünf Stunden lang geworden.
Die Kindergang
Für den Dreh des Films wurden natürlich Originalschauplätze aufgesucht und zum allergrößten Teil wurden auch Laienschauspieler aus der Cidade de Deus gewählt. In den meisten Fällen wurde ihnen der grobe Szenenablauf geschildert, die Dialoge dazu kamen aus dem Stegreif. Nach dem Dreh blieben viele der Jugendlichen bei der Filmemacherei. In der Cidade de Deus entstanden seitdem etliche Kurzfilme.
„City of God“ ist ein Film, der selten richtig grausam ist und den jeder gesehen haben sollte. Durch seine Ehrlichkeit und seine Erzählweise wird er wahrscheinlich schon bald zum Klassiker. Deshalb: Unbedingt ansehen - einen derart grausam schönen Film wird es lange nicht mehr geben. Cineclub-Filmtipp!
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