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Italienisch für Anfänger

  
...und Liebe für Verlierer, so der wenig beachtete Untertitel, der eindeutig auf eine romantische Komödie schließen lässt. Lone Scherfig beschert uns mit Dogma #12 ein Juwel, das man gesehen haben sollte.
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Starttermin
Name

/ Wertung
Länge Unter-
haltung
Span-
nung
Action Musik Erotik
An-
spruch
Ein-
druck
Ge-
samt

17.01.2002:
Italienisch für Anfänger

***** ***** ***
- **** ****
***** ***** 92%
  
Genre:

Komödie

  

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Regie: Lone Scherfig
  

Italienisch für Anfänger
Andreas wohnt erstmal im Hotel bei Jørgen

Inhalt und Kritik:

von

hope

Dogma-Filme haben sich zu sehr ihrem Credo verschrieben um interessant und unterhaltsam zu sein? Wohl kaum. Lone Scherfig liefert mit ihrem Publikumsliebling der Berlinale 2001 eine tolle Komödie ab.

Wer über den Inhalt schreiben will, sucht eine Hauptfigur. Nach reiflicher Überlegung muss man zu dem Schluss kommen, dass der Italienisch-Kurs die Hauptrolle spielt. Hier finden die Menschen des dänischen Dorfes zusammen und kommen sich näher. In Stereotypen geben sie das heutige Gesellschaftsbild beispielhaft wieder. Die Friseurin Karen, die tollpatschige Bäckereiverkäuferin Olympia, die italienische Köchin Giulia, die jedes dänische Wort versteht aber grundsätzlich auf italienisch antwortet, der Pfarrer Andreas, Hal-Finn, der eine Vereinsgaststätte mit dem ihm von Gott gegebenen Charme mehr schlecht als recht leitet und der Concierge Jørgen sind in ihren allzu normalen Berufen alles andere als normal. Alle werden sie mit ähnlichen Problemen auf recht unterschiedliche Weise konfrontiert. Die Eltern sterben, menschliches Versagen im Beruf und dergleichen mehr. Als einziger Ausgleich bleibt ihnen der Volkshochschulkurs, der allen etwas Abwechslung bietet und zugleich als romantische Plattform ganz gut funktioniert. Auf einfache und gesellige Weise können sie einen Abend pro Woche in südlichen Gefilden ohne ihre Sorgen sein.

Die Handlung des Films spielt eine untergeordnete Rolle. Was den Film so zauberhaft macht ist der Sympathiewert der Charaktere. Jeder ist absolut real und liebenswürdig gezeichnet und kann das Publikum mit einem Lächeln auf seine Seite bringen. Dabei sind sogar Nebenrollen bis ins letzte Detail durchdacht. Die Situationskomik tut, ganz ohne platt oder einfältig zu sein, ihr übriges, dass man geradezu nie mehr aus der Filmwelt aufwachen will. Schade allerdings, das „Italienisch für Anfänger" der sich sonst sehr an die Dogma-95-Regeln von Lars von Trier und Thomas Vinterberg hält, in Deutschland auf Druck des Verleihs synchronisiert läuft, denn genau das widerspricht den Dogma-Regeln. Trotzdem eine federleichte Gute-Laune-Komödie, die im Nachgeschmack auch ein wenig zum Nachdenken anregen kann. Da kann man sich nur noch fragen: Sehe ich etwa aus, als würde ich einem erwachsenen Mann ein Rosinenbrötchen servieren?

  

Italienisch für Anfänger
Wessen Mutter ist denn nun tot?

Italienisch für Anfänger
Jørgen redet Hal-Finn ins Gewissen

Hintergrund: Dogma95: Das cineastische Reinheitsgebot

1995 haben als Vorreiter des neuen Kinos als erste Lars von Trier und Thomas Vinterberg den Keuschheitsschwur auf ihre zehn Regeln abgelegt. In nicht mehr als 25 Minuten haben sie diese in einer netten Stunde niedergeschrieben und dabei viel Spaß gehabt. Dennoch geht davon ein ernstgemeinter Gedanke aus: Filme sollen wieder eine Handlung aus den Emotionen der handelnden Figuren haben. Jegliche technische Spielerei ist untersagt, unrealistische Handlungen schon allein aus diesem Grund oft nicht möglich, unnötige Gewalt gänzlich verboten. Durch Handkamera und natürliches Licht wird der Zuschauer in die Handlung versetzt und erlebt einen Big-Brother-Effekt, kann dem Geschehen also direkt beiwohnen. Oft wurden diese Filme ohne ausgefeiltes Dialogdrehbuch produziert, was die Schauspieler spontaner werden ließ und der Idee den letzten Schliff gab.

Heute gibt es inzwischen 25 Dogma-Filme. „Italienisch für Anfänger" war der zwölfte und der erste, der von einer Frau gedreht wurde. Auf der Berlinale 2001 gewann er den Silbernen Bären und den Publikumspreis. Trotzdem ist er erst jetzt in deutschen Kinos zu sehen, da der Start durch die Krise der Verleihfirma Kinowelt einige Male verschoben wurde.

Die Dogma95-Regeln:

  • Es darf nur am Schauplatz gedreht werden. Sets und Requisiten sind verboten. (Wenn eine besondere Requisite für die Geschichte notwendig ist, muss ein Drehort gefunden werden, an dem die Requisite vorhanden ist.)
  • Der Ton darf niemals unabhängig von den Bildern produziert werden oder umgekehrt. (Musik darf nur dann verwendet werden, wenn sie dort gespielt wird, wo die jeweilige Szene gedreht wird.)
  • Es wird ausschließlich mit Handkamera gedreht. Jede Bewegung oder Bewegungslosigkeit, die mit der Hand erreicht werden kann, ist erlaubt.
  • Der Film muss in Farbe gedreht werden. Spezielle Beleuchtung wird nicht akzeptiert. (Wenn zu wenig Licht zur Verfügung steht, muss die Szene geschnitten werden oder eine einzelne Lampe an der Kamera angebracht werden.)
  • Optische "Spielereien" und Filter sind verboten.
  • Der Film darf keine oberflächliche Action beinhalten. (Morde, Waffen, etc. dürfen nicht vorkommen.)
  • Zeitliche und geographische Verfremdungen sind verboten. (Das heißt, der Film muss Hier und Jetzt spielen.)
  • Genrefilme sind nicht akzeptiert.
  • Das Filmformat muss Academy 35 mm sein.
  • Der Regisseur darf weder in den Titeln noch im Abspann genannt werden.
   

Dieser Film wurde bewertet von:
hope(92%)

Texte:
hope
  
  
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