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Vatel


  
Wer den totalen Überfluss und die unglaubliche Völlerei von „Vatel“ durchhält, behält einen bittersüßen Nachgeschmack auf der Zunge. Und das Gefühl, dass es sich - trotz Bauchschmerzen - gelohnt hat.
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Starttermin
Name

/ Wertung
Länge Unter-
haltung
Span-
nung
Action Musik Erotik
An-
spruch
Ein-
druck
Ge-
samt

31.05.2001:
Vatel

**** *** ***
*** *** ****
**** **** 74%
  
Genre:

Kostümdrama

  

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Regie: Roland Joffé
  

Kritik:

Wenn es wirklich stimmt, dass bei jeder Mahlzeit auch das Auge mitisst, haben die Sehorgane bei "Vatel" mächtig mit Völlegefühl zu kämpfen. Wenn man schon bei "Chocolat" gierig auf die Leinwand starrte und meinte, ein Hauch Schokoladenduft durchzöge den Kinosaal, dann wähnt man sich hier mitten in der Küche eines Fünf-Sterne-Restaurants. Wenn ein Film mit der Ausstattung steht und fällt - dann dieser.

Am Hofe des Prince de Condé (Julian Glover) hat sich nämlich hoher Besuch angesagt. Der denkbar höchste, um genau zu sein. Ludwig XIV, seines Zeichens Verschwender vor dem Herrn, will nur ein paar nette Tage auf dem Land verbringen und nebenbei über den Krieg mit Holland entscheiden. Der Hausherr ist sich der Bedeutung dieses Gastes bewusst: "Verglichen mit diesem Besuch wird der Krieg der reinste Spaziergang sein." Und weil ein Gefecht ohne fähigen General nur geringe Aussichten auf Erfolg hat, kommt Vatel (Gerard Depardieu) ins Spiel: Als Haushälter, Hausmeister, Chefkoch - Mann für alles - hat er den Auftrag, für die Zufriedenheit des Sonnenkönigs zu sorgen. Ein Krieg auf allen Fronten sozusagen. Kleine Probleme wie die Frage, wo denn die Abordnung von Trancheuren untergebracht werden soll, werden nebenbei gelöst: "Die schlafen im Stall. Es sind doch nur Deutsche."

Nach seinem Auftritt als Obelix darf Depardieu endlich wieder einmal den leiblichen Genüssen frönen. Als strenger, warmherziger, arbeitssamer Herrscher über Küche und eine Streitmacht dienstbarer Untertanen tut er alles, um alle Wünsche zu erfüllen. Hat keinen Blick für das, was um ihn herum geschieht. Bis - ja, bis er sich in Uma Thurman als Lieblingsmätresse des Königs verguckt. Und damit wieder Geschmack beweist. Für den Aufhänger zu einem Film reicht diese unerfüllbare Sehnsucht allemal. Den Rest erledigt die deprimierende Einsicht der Reichen und Mächtigen, den ganzen Tag nichts wirklich Wichtiges zu tun haben. Da bleiben einem doch nur Intrigen, Völlerei und Kriegsspielchen. Wer in diesen Strudel gerät, muss entweder mitmachen - oder hat schon verloren.

Der Etat von "Vatel" ist mindestens zur Hälfte für einen exklusiven Partyservice draufgegangen. Denkt man zumindest. Denn die Tische und Tafeln biegen sich unter den Genüssen, selbst nach Mitternacht werden delikate Kleinigkeiten gereicht, um die Herzöge, Fürsten und sonstigen Adligen bei Laune zu halten. Die andere Hälfte des Budgets hat vermutlich die Kostümschneiderei bekommen. Das merkt man dem Film auch an - im positiven Sinne. So richtig kann man gar nicht fassen, was auf der Leinwand alles aufgeboten wird. In ununterbrochenem, ruhigem Strom treibt Regisseur Roland Joffé den Überfluss auf immer neue Spitzen. Gut durchkomponiert und dramaturgisch durchgegart. Hin und wieder schaut die brutale Draußen-Welt der Armen und Unterdrückten rein, und weil das nicht häufig geschieht, hinterlässt das einen bleibenden Eindruck.

Diese anregende Mixtur hält bis zum Schluss: So, wie "Vatel" endet, hat das viel zu tun mit einer Tasse heißer Schokolade - ohne Zucker, dafür aber mit einem Spritzer Bittermandelaroma.

Ach ja, eine Frage am Rande noch, nach dem nun schon zweiten französisch angehauchten Schlemmer-Film dieses Jahres: Wann drehen eigentlich die Amerikaner ihren ersten Streifen über "McDonalds"?


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Originaltitel: Vatel
   

Dieser Film wurde bewertet von:
abu(74%)

Texte:
abu

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