Viele Menschen in den USA sind zum Tode verurteilt - und das zu unrecht. Doch die Todesmühle mahlt langsam... Mit Michael Clarke Duncan und Tom Hanks. Nach einer Vorlage von Stephen King.
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Preisfrage: Wie lang ist eine Meile? Okay, ist wohl mehr eine rhetorische Frage, denn es gibt nix zu gewinnen und die Antwort ist sowieso falsch. Die, um die es hier geht, nämlich die "Green Mile", misst exakt 182 Minuten. Keine mehr und keine weniger - und das ist auch gut so. Denn das gleichnamige Gefängnisdrama nach einer Vorlage des Horror-Autors Stephen King wirkt wie aus einem Guss. Regisseur Frank Darabont ("Die Verurteilten") vermeidet überflüssige Szenen fast völlig.
Die wichtigsten Figuren sind ein dicker schwarzer Mann, der ständig schwitzt, und eine kleine Maus, über deren Neigung zur Transpiration nichts bekannt ist. Der dicke schwarze Mann heißt John Coffey - "Nicht wie das Getränk", wie er immer betont - und wird von Michael Clarke Duncan als kindlich-naives, ängstliches Riesenbaby gespielt. Die Maus wird Mr. Jingles genannt. Beide sitzen in der Todeszelle eines amerikanischen Provinzknasts. Dort merkt Oberaufseher Edgecomb (Tom Hanks) schon bald, dass Coffey a) übersinnliche Kräfte hat und b) vermutlich unschuldig zum Tode verurteilt ist.
Ganz schön düster hier - im Todestrakt des
Gefaengnisses nimmt das Drama seinen Lauf.
Das ist auch schon im Wesentlichen die Handlung. Warum drei Stunden dafür dennoch nicht zu lang sind? Nun, weil Regisseur Darabont viel Zeit darauf verwendet, den (mutmaßlichen) Alltag in einem Gefängnis zu zeigen. Die Schicksalsergebenheit, mit der sich die Wärter ihrem Job fügen, und der Galgenhumor der Inhaftierten halten sich die Waage. Der Knast ist eine Symbiose, bei der beide Seiten darauf bedacht sind, gütlich miteinander klar zu kommen - auch wenn Störenfriede für böses Blut sorgen. Diese fatalistische und allzu menschliche Haltung bringt "The Green Mile" überzeugend und nachvollziehbar auf den Punkt. Lange Einstellungen und ruhige Kameraführung unterstützen das Gefühl, einer gut geölten Maschinerie zuzusehen, an deren Ende zwangsläufig die Hinrichtung steht. Nur gelegentlich schlägt der Film über die Stränge. Dann nämlich, wenn zur Verdeutlich des Unsichtbaren und Übersinnlichen schlechte Special-Effects herhalten müssen. Die überflüssige Rahmenhandlung - vermutlich ebenfalls ein Kompromiss an den konventionellen Massengeschmack.
Der Mann in der Mitte soll ein Mörder sein. Und obwohl die meisten Gefängniswärter das nicht
glauben, mahlen die Mühlen der Justiz unerbittlich weiter...
Kompromisslos wird dagegen die Story durchgezogen. Einmal in Fahrt gekommen, weicht sie nicht mehr von der eingeschlagenen Richtung ab - wie ein Verurteilter auf der "Grünen Meile", der Strecke zwischen Todeszelle und elektrischem Stuhl. Spannend dabei ist vor allem die Vielschichtigkeit der Figuren: Die Guten sind nicht richtig gut, denn sie zweifeln nicht an der Todesstrafe. Und die Bösen sind nicht böse, weil ungeklärt bleibt, ob sie wirklich schuldig sind. Weil der Film eben keine eindeutige Stellung bezieht, lässt er viel Platz für eigene Deutungen. Was am Ende mit John Coffey, dem Riesen mit dem kindlichen Gemüt, passiert? Tja, das werdet ihr nur im Kino erfahren...
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