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Being John Malkovich

  
Von hinten durch die Brust ins Auge: Spike Jonze verleiht dem Wort "grotesk" eine völlig neue Dimension. Cineclub-Filmtipp!
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Starttermin
Name

/ Wertung
Länge Unter-
haltung
Span-
nung
Action Musik Erotik
An-
spruch
Ein-
druck
Ge-
samt

04.05.2000:
Being John Malkovich

Nur die Gesamtwertung:

97%

  
Genre:

Komödie

     
Regie: Spike Jonze
  
Inhalt / Kritik:

von

abu

Uuuuuaaaaaahhhhh... Alles schon mal dagewesen. Immer die gleichen Geschichten, nur neu verpackt. Im Kino nix neues mehr. Im Kino nix neues mehr??? FALSCH! Hier ist "Being John Malkovich", die mehr als überzeugende Antwort auf die Frage, was man nach 100 Jahren Filmgeschichte überhaupt noch machen kann: Nämlich sämtliche Konventionen hinter sich lassen und einen Geniestreich aus dem Ärmel schütteln. Einfach so...

Being John Malkovich
Cameron Diaz - ist sie's, oder ist sie's nicht?

Wir wollen gar nicht wirklich wissen, mit welchen Methoden der Bewusstseinserweiterung Drehbuchautor Charlie Kaufmann folgenden Plot ersonnen hat, der im übrigen nur die Haupthandlung wiedergibt: Puppenspieler Craig Schwartz (John Cusack) wird als Aktensortierer im 7 ½ten Stockwerk eines Hochhauses angestellt. Hinter einer Tür öffnet sich ein Tunnel, der in den Kopf von John Malkovich (John Malkovich) führt. Ist man erst mal drin, hat man 15 Minuten Zeit. Danach wird man an der Autobahn nach New Jersey wieder ausgespuckt. Craigs Ehefrau Lotte (Cameron Diaz) wird süchtig nach diesem Persönlichkeits-Trip und verliebt sich als John Malkovich in Craigs Mitarbeiterin Maxine (Catherine Keener).

Bitte dreimal lesen und verinnerlichen. Denn das ist, wie gesagt, nur die Rahmenhandlung. Seltsamerweise - und hier liegt das Erfolgsgeheimnis des Filmes - macht es aber überhaupt keine Mühe, dem unendlich witzigen Geschehen zu folgen. Mit welchen Tricks Regisseur Spike Jonze das schafft? Tja, das ist es ja: Mit überhaupt keinen! Er erzählt die Geschichte mit einer solchen Selbstverständlichkeit und inneren Logik, dass man sich dem Treiben einfach hingeben muss. Der Tunnel führt eben in das Bewusstsein von John Malkovich, basta. Und wenn er schon mal da ist, kann man ihn auch gleich gewinnbringend vermarkten.

Zudem sprüht dieser tolle Film nur so vor wahnwitzigen Ideen. Einer meiner Favoriten: Floris, die Sekretärin von Craigs Chef. Nicht nur, dass sie alles, was zu ihr gesagt wird, völlig falsch versteht: (Craig: "Mein Name ist Craig Schwartz, ich habe einen Termin bei Dr. Lester." - Floris: "Nehmen Sie Platz, Mister Juarez." - Craig: "Mein Name ist Schwartz!" Floris: "Mein Name ist Wartz?") Nein, sie ist auch noch ausgebildete Logopädin (sic!), so dass ihr Chef glaubt, ein Sprachproblem zu haben, weil er sich ihr nicht verständlich machen kann.

Being John Malkovich
John Malkovich (gespielt von sich selbst)
ist nicht erfreut darüber, was in
seinem Kopf vor sich geht.

Natürlich stellt sich irgendwann die Frage, was passiert, wenn John Malkovich mitbekommt, was da vor sich geht, und in seinen eigenen Kopf reist? Nur soviel sei verraten: Auch das Ergebnis dieser Tour ist in sich völlig logisch - und trotzdem so grotesk, dass man sich kneifen muss, um es einigermaßen fassen zu können.

Überhaupt John Malkovich... Dass er sich selbst spielt und sein Image als verweichlichter, nöliger Star genüsslich demontiert, kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen. Er stellt sich, wie alle anderen Darsteller, völlig in den Dienst der Story. Eine ungeahnte Faszination muss das Drehbuch auch auf Charlie Sheen ausgeübt haben. Anders lässt sich sein halbglatziger, schmerbäuchiger Auftritt nicht erklären...

Being John Malkovich
Sieht aus wie ein ganz gewöhnlicher Tunnel - ist
es aber nicht. Denn der geheime Gang führt in den
Kopf von... genau!

Dass der Film eine Komödie ist, liegt auf der Hand. Doch selbst als solche ist er noch unberechenbar: Eine anrührende Hommage an die Kunst des Puppenspielens findet ebenso ihren Platz wie philosophische Gedanken über Identität und Bewusstsein. Und obwohl der Spaß an unerwarteten Wendungen an "Bound" von den Wachowski-Brüdern erinnert und sich die skurrile Erzählweise an Terry Gilliam anlehnt: "Being John Malkovich" ist einzigartig. So einzigartig, dass man keine Angst zu haben braucht, dass eine ganze Reihe billiger Nachahmer folgt.

Wer jetzt fragt, wo denn die Kritikpunkte seien, wird zumindest von mir enttäuscht: Gibt keine! Okay, man muss deshalb nicht gleich in die Knie gehen und Spike Jonze anbeten. Aber man kann es guten Gewissens tun. Und das Kino-Publikum wird ihm sowieso zu Füßen liegen...

     

Dieser Film wurde bewertet von:
abu(97%)
Conway(85%)

Texte:
abu

  
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Being John Malkovich
Das 7 1/2te Stockwerk - kein gewöhnlicher Arbeitsplatz.

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