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Anatomie |
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03.02.2000: |
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| Genre: | Thriller |
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| Regie: | Stefan Ruzowitzky | |||||||||||
| Inhalt / Kritik: von: abu |
"Ich hab mein Herz in
Heidelberg verloren..." Der Evergreen über die romantisch-herausgeputzte
Stadt am Neckar bekommt in "Anatomie" einen ganz eigenen Wahrheitsgehalt. Denn
ein Geheimzirkel aus besonders ehrgeizigen Medizin-Studenten nimmt im Verborgenen
Untersuchungen am lebenden Objekt vor. Bis dieses eben nicht mehr lebt. Aber auch das ist
kein Problem, denn wozu gibts denn gleich um die Ecke ein leistungsfähiges
Krematorium?Die Idee ist vom Ansatz her gut: Behäbiges Studenten-Milieu kontrastiert mit blutigem Thriller. Mittendrin schauspielert Franka Potente, die zur Abwechslung mal keine feuerroten Haare hat, sondern beim lustigen Sezieren höchstens blutrote Hände bekommt. Welche Aufgabe ihr sonst noch zugedacht ist? Nun, natürlich muss sie dem antihippokratischen Treiben ein Ende bereiten, und natürlich ist sie dabei auf sich allein gestellt. Die Rettung der Medizinerehre gestaltet sich indes als außerordentlich schwierig, denn irgendwie haben alle Figuren einen Knacks weg: Die Studentinnen sind entweder nymphomanisch, prüde oder grenzdebil, während sich ihre männlichen Kollegen gegenseitig im Finster-drein-gucken und Kleinen-Mädchen-Angst-einjagen überbieten.
So richtig ernst kann man den Klinik-Krimi trotz dieser Authentizität nicht nehmen. Dazu sind die Schockeffekte zu durchschaubar, übertrieben und damit unfreiwillig komisch. Zudem scheint es so, als ob der Film sich selbst nicht hundertprozentig ernst nimmt - wie sonst soll man erklären, dass der Leichenhallen-Wärter nicht nur dunkle buschige Augenbrauen hat, sondern auch mit explizit östlichem Dialekt spricht. "Man muss wissen, wann man aufzuhören hat", möchte man dem Filmemacher beim finalen Showdown zurufen. Denn da läuft die Handlung völlig aus dem Ruder. Es ist ja nicht unbedingt besser, wenn Franka Potente auf der Flucht vor ihren Peinigern zehn dunkle Gänge entlangrennt, wo es auch einer getan hätte - es sei denn, das ist als Hinweis auf ihre Kondition gedacht. Was die Kondition der Zuschauer-Mägen angeht, hängt das ganz vom persönlichen Typ ab: Wer die täglichen Kriegsbilder der Tagesschau verdaut, dem dürften auch die Skalpell-Szenen in "Anatomie" keine Probleme bereiten. Sollte allerdings jemand eine ausgewachsene Arzt-Phobie haben und beim Anblick einer Spritze am liebsten die Genfer Menschenrechtskonvention zitieren wollen, sei der Hinweis auf ein mildes Magenmittel gestattet. Und wo wir gerade bei Tipps und Tricks sind: Medizin-Studenten sollten bei ihrem Finanzamt nachfragen, ob sie den Kinobesuch von der Steuer absetzen können... |
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