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leer Braco - kleiner Bruder, großer Engel


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Esoterik, persönliche Verbindung zwischen Herausgeberin und Autorin und Hintergründe der Alzheimer-Krankheit, die vor allem im Zusammenhang mit Gnostizismus betrachtet wird.


Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, bei der Besprechung des vorliegenden Buches „Braco, kleiner Bruder großer Engel“ von der Autorin Anina Toskani systematisch vorzugehen. Ich wollte schreiben, in welchem Bezug die Herausgeberin zur Autorin steht, was es mit dem Personenkult um Braco, und was vor allem mit dem Genre „Esoterik“ (von altgriechisch esoterikós, innerlich, dem inneren Bereich zugehörig) auf sich hat.

Nach 200 Seiten Lektüre und beinahe 6 Seiten Besprechung entschied ich mich anders. Ich entschied mich, stattdessen über eine Krankheit zu schreiben, die nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt ist und dessen größter Risikofaktor das Alter ist.

Im Buch ist es Deli, eine knapp 90jährige, die von der Alzheimer-Krankheit durch einen schleichenden Beginn und durch eine allmähliche Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten gezeichnet wird.
Ursächlich dafür verantwortlich sind der fortschreitende Verlust von Nervenzellen und eine sich durch chemische Prozesse im Gehirn einstellende Verschlechterung der Durchblutung.
Im Verlauf verändern sich die Betroffenen charakterlich immer weiter. Schuld und Schuldzuweisungen wechseln sich ab.

Da ihr Mann bereits früh an Krebs verstirbt, übernimmt die Tochter die Pflege. Sie steht vor einer großen Herausforderung nicht nur die Würde des erkrankten Menschen, sondern auch die eigene Menschlichkeit zu behalten. Es ist nicht einfach, die Distanz zu wahren.

Das ist nicht einfach – denn unsere Gesellschaft hat leider immer noch die Tendenz, die Kranken, zu entmündigen. Das ist oft auch der Tatsache geschuldet, dass 80% aller Demenzkranken von ihren Angehörigen versorgt und begleitet werden. 1,7 Millionen mit Demenz sind es nach aktueller Einschätzung in Deutschland, die meisten davon an Alzheimer erkrankt.

Wir verharmlosen das. Trotz wachsenden Sorge gegenüber dem geistigen Verfall, den wir Infantilismus nennen, neigen wir dazu, unseren Frust auf die eigentlichen Opfer zu projizieren, diese so zu Tätern zu stilisieren. In dem wir so handeln, machen wir uns zu Tätern.

In der Anerkennung einer Erkrankung liegt etwas Humanistisches – es ist die Erkenntnis, dass wir alle nicht frei sind vom menschlichen Schicksal, dem Tod, der uns alle dereinst ereilen wird. Keine Fremde Macht will uns etwas, Gutes oder Schlechtes, und keine fremde Macht befreit uns – wir selbst müssen uns von dem Gedanken befreien, alles und jeden zu kontrollieren, Gefühle „niederzuringen“ und in uns mit dem ständigen Vorbehalten vom Übermenschen zu entmenschlichen.

Ob wir das im Stil einer Emanzipation des Rotkäppchens tun, oder, wie es Yuval Noah Harari in einem Interview gegenüber der Zeit am 20.9.18 äußerte, durch Meditation, bleibt jedem selbst überlassen.
Der in diesem Buch aufgezeigte Weg beschäftigt sich dabei hauptsächlich mit einem Randphänomen der christlichen Lehren, dem Gnostizismus.
Dieser für sich genommen ist sicherlich eine zulässige Kritik an der Kirche, ihren Lehrern und ihren Handlungen. In dem glorifizierten Dogmatismus, dem er gleichzeitig folgt, lehnt der Rezensionist ihn allerdings entschieden ab.

Braco - kleiner Bruder, großer Engel

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Fakten
Originaltitel:
Braco - kleiner Bruder, großer Engel
 
Erscheinungstermin:
06.06.2018
 
Genre:
Esoterik / „Astro-TV“
 
Autor:
Anina Toskani
 
Dieses Buch wurde bewertet von:
Marcus(—%)
 
Texte:
Marcus
 
ISBN-13:
9783746931562

ISBN-10:
B07FKTLWHH
 




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