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Aufmachung Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** ** **** **** ** - *** *** 71%
 

 
In einer nahen Zukunft, in der durch eine außerirdische Invasion eine menschliche Kolonialisierung stattfindet, kämpft eine kalifornische Familie gegen die neue Weltordnung und um ihren verlorenen Sohn... Eine hochwertige Inszenierung und bekannte Hauptdarsteller konnten die teils schon abgenutzte amerikanische Survival-Dramaturgie und das geringe Interesse der TV-Zuschauer allerdings nie wirklich positiv beeinflussen.

Colony (US-TV-Serie von 2016 bis 2018)


Die baldige Zukunft sieht nicht gut aus: Eine außerirdische Invasion hat die Welt verändert. Bewaffnete Konflikte waren unvermeidlich. Doch am Ende blieben die von den außerirdischen Invasoren überraschten Menschen ohne große Chance und die Gegenwart ist nun äußerst dystopisch.

Auch die Westküste der USA blieb von alledem nicht verschont. Großstädte wie Los Angeles sind von dicken meterhohen Mauern umgeben und die Besatzungsmächte führen mit Hilfe einer Art kolonialen Übergangsregierung ein strenges Regime. Besagte Großstädte werden inzwischen als Blöcke geführt und Ausgangssperren, bewaffnete Kontrollen, begrenzte Fahrzeugführung und eine dauerhafte Überwachung mit Drohnen gehören derweil längst zum Alltag. Auch möchten die Besatzer eine Bevölkerungsreduzierung durchführen, weshalb Zivilisationskrankheiten wie Diabetes o.Ä. als nicht behandlungsbedürftig ausgegeben werden. Nicht nur das stört natürlich viele Menschen – doch sobald man gegen Richtlinien verstößt oder gar versucht, gegen die neue Situation vorzugehen, wird man nicht selten in ein Arbeitslager („die Fabrik“) gesperrt.

Colony (US-TV-Serie von 2016 bis 2018)
Seit der Invasion und der Kolonialisierung streifen stark bewaffnete Patrouillen (eine Art neue Homeland Security) Tag und Nacht durch die Städte.

Inmitten dieser aufwühlenden Zeiten lebt Familie Bowman. Der ehemalige US Army Ranger Will Bowman (Josh Holloway), der inzwischen als Lastwagenfahrer und Mechaniker arbeitet, und seine Frau Katie (Sarah Wayne Callis) versuchen, ihren Kindern ein relativ normales und vor allem liebevoll geordnetes Leben in diesen schwierigen Zeiten zu bieten. Dabei leiden die Bowmans unter dem Verlust ihres mittleren Kindes, denn Sohn Charlie wurde während der Invasion von seiner Familie getrennt und scheint seither in einem anderen Block untergebracht zu sein, wo die Familie jedoch nicht hinkommt und seit den Ereignissen auch keinen Kontakt mehr zum verlorenen Sohn hatte.

Die aktuelle Lage und vor allem der unnötige Verlust eines seiner drei Kinder wurmt auch Will so sehr, dass er bald einen illegalen Weg einschlägt, um seinen zweiten Sohn endlich wiederzufinden. Will wird jedoch erwischt und scheint nun in einer aussichtslosen Lage. Doch dann geschehen überraschende Ereignisse: Wills Vergangenheit ist natürlich gut dokumentiert und so befindet er sich kurz darauf im Büro von Alan Snyder (Peter Jacobson), dem aktuellen Gouverneur von Los Angeles. Dieser schlägt ihm vor, statt im Gefängnis oder gar in „der Fabrik“ zu verrotten, doch lieber für die Invasoren zu arbeiten – als Teil der sogenannten „Redhats“, welche inzwischen als eine Art Homeland Security agieren und im Grunde eine stark militarisierte Polizei darstellen.

Colony (US-TV-Serie von 2016 bis 2018)
Alan Snyder (Peter Jacobson), der von den Invasoren eingesetzte Gouverneur von LA.

Diese neue Exekutive ist natürlich vielen Menschen ein Dorn im Auge. Vor allem die heimlich agierende „Resistance“ (der Widerstand), zu denen auch Wills Frau Katie gehört, ist nicht gut auf die Bewacher zu sprechen. Dieser Widerstand ist es auch, der Wills Jobvorschlag nun als Möglichkeit sieht, Will fortan als eine Art Maulwurf einzusetzen – ob dieser das nun weiß oder eben nicht...


Schon lange ist bekannt, dass erfolgreiche Serien von ihren Charakteren leben. Das begann einst mit Telenovelas und Seifenopern (z.B. „Schatten der Leidenschaft“, „General Hospital“, „Reich und Schön“ oder auch „Lindenstraße“ und GZSZ), zog sich dann über Comedyserien (z.B. „Cheers“, „Friends“, „King of Queens“ und zuletzt „The Big Bang Theory“) hin zu Kriminal- und Actionserien (z.B. „Law & Order“, „CSI“, „24“ und „NCIS“), Trickserien (z.B. „Die Simpsons“, „South Park“ oder „Family Guy“) und Drama-, Thriller- oder Mysteryserien (z.B. „Emergency Room“, „Akte X“. „die Sopranos“, „Prison Break“, „Lost“ oder „Supernatural“.)

Von den Superhelden-Serien abgesehen folgten dann vermehrt am Hauptcharakter orientierte Serien wie „Dexter“, „Dr. House“, „Breaking Bad“, „Sherlock“, „House of Cards“ und „Better Call Saul“. Inzwischen gehören neben Sci-Fi-Serien wie „Star Trek“ zu den populärsten Serien der Welt natürlich auch Hits wie „Game of Thrones“, „Stranger Things“ und natürlich „The Walking Dead“.

Colony (US-TV-Serie von 2016 bis 2018)
Der Widerstand besteht aus verschiedenen Amerikanern (2vl: Sarah Wayne Callis als Katie Bowman), die gegen die Besatzung vorgehen wollen und allesamt einen interessanten und äußerst nützlichen Background haben.

Letztere Serie ist hierbei noch hervorzuheben, da sie (wie auch „Prison Break“) mit Sarah Wayne Callis die Hauptdarstellerin von „Colony“ ebenfalls an Bord hatte. Auch Josh Holloway kennen Serienfans bereits aus „Lost“ und damit haben sich die Macher hier zwei Seriendarsteller geholt, die mit Survial-Serien bereits ihre Erfahrungen haben und einem breiten Publikum dahingehend bekannt sind. Hier liegt für mich allerdings einer der ersten Fehler. Zu glauben, dass bekannte Genre-Gesichter auch dieser Serie direkt weiterhelfen würden, ist zwar nachvollziehbar, wirkt für mich aber (teilweise) aufgezwungen und drückt „Colony“ auch gleich in eine Richtung, die an sich zwar passen mag, sich so aber dann eben kaum noch inhaltlich verändern lässt.

Und so bekommt man es auch in „Colony“ mit Charakteren zu tun, die sich in einer besonderen Situation befinden und neben dem (Überlebens)Kampf auch Schwäche, Trauer, Wut, Frust, Wille und menschlichen Tiefgang vermitteln sollen. Alles sicherlich im Zeichen der Story und hoffentlich langfristig hoher Einschaltquoten. Leider lag der amerikanische Kabelsender „USA Network“ hier daneben. Schaffte man mit der ersten Folge noch rund 1,4 Millionen Zuschauer (was für besagten Kabselsender ein akzeptabler Durchschnittswert ist), waren es ab Staffel 2 dauerhaft unter 1 Million Zuschauer und ab Staffel 3 im Schnitt nur noch 0,6 Million Zuschauer. Während der Sender also einst mit Serienhits wie „Monk“, „White Collar“, „Psych“, „Suits“ und „Mr. Robot“ für Aufsehen sorgen konnte, schaffte man es mit „Colony“ wiederum nicht.

Colony (US-TV-Serie von 2016 bis 2018)
Wie draußen so drinnen: Auch in Krankenhäusern läuft nichts mehr wie zuvor.

Das sinkende Zuschauerinteresse sorgte dann sogar dafür, dass die letzte Staffel mit einem Cliffhanger endete, der bis heute keine Auflösung bekam. Das ist natürlich alles andere als gut, denn selbst Fans der Serie dürften sich ob dieses miserablen Abbruchs beim Kauf der Serie (auf DVD, Blu-ray usw.) eher schwer tun. Dabei ist „Colony“ im Prinzip gar nicht schlecht. Und wenn man sich dann die (weltweite) Situation im Frühjahr 2020 anschaut und sich das, was womöglich die kommenden Monate und Jahre nun bevorsteht, einmal vorstellt, kann man auch in „Colony“ sogar so manchen Bezug herstellen – wenn man denn möchte. Noch passender zur aktuellen Lage (und vom Timing her sicherlich nicht zufällig Anfang 2020 angelaufen) ist übrigens die Netflix-Serie „Pandemie“ ...

Auch die unterschiedlichen Charaktere (vor allem die des Widerstands) bieten einigen Input. Doch wie bei so vielen Serien dieses Genres verlieren sich die Macher hier schnell in (teils Charakter-bezogenen) Irrungen und Wirrungen, weshalb der allgemeine Plot immer mal wieder in den Hintergrund rückt und manch ein Zuschauer damit ständig das Gesamtbild aus den Augen verliert, obwohl er das vielleicht gar nicht möchte. „Colony“ schafft zudem das, wofür andere Serien mehrere Staffeln brauchten: Sie begehen die üblichen Genre-Fehler bereits nach wenigen Folgen, was sicherlich ein weiterer Grund für das sinkende Zuschauerinteresse gewesen sein dürfte.

Colony (US-TV-Serie von 2016 bis 2018)

Immerhin ist diese Sci-Fi-Dramaserie, deren Streamingrechte übrigens bei Netflix liegen, von der Idee her nicht schlecht und optisch auch einwandfrei umgesetzt. So habe ich mich auch sofort an den Ego-Shooter „Homefront: The Revolution“ erinnert gefühlt, den ich wenige Jahre zuvor auf PS4 zockte. Dort befindet man sich im Jahr 2029 und die Nordkoreaner (wer auch sonst) haben die USA inzwischen übernommen und lassen dort eben auch bewaffnetes Militär auf den Straßen für Ordnung sorgen... und vor allem optisch fühlte ich mich bei den „Redhats“ an besagtes Videospiel erinnert.

Colony (US-TV-Serie von 2016 bis 2018)

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Fakten
Originaltitel:
Colony
 
Produktionsjahr:
2016 - 2018
 
auf DVD/Blu-ray/VoD ab:
27.03.2020
 
Genre:
Sci-Fi / Drama / Action
 
Laufzeit/Folge:
circa 42 Minunten
 
Diese Serie wurde bewertet von:
Conway(71%)
 
Texte;
Conway
 
Diese Serie bei Wikipedia 
 




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