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leer Monster! Monster?


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** *** **** * *** * ***** **** 73%
 

 
Obwohl Steve Harmon (Kelvin Harrison Jr.) seine Unschuld beteuert, soll er wegen der Beteiligung an einem tödlichen Raubüberfall für 20 Jahre ins Gefängnis. Mischung aus Gerichtsdrama und unchronologisch erzählten Rückblenden, die vor allem dank ihres Hauptdarstellers fesselt, gleichzeitig aber in filmischer Hinsicht enttäuscht.

Monster! Monster?


Steve Harmon (Kelvin Harrison Jr.) ist angehender Drehbuchautor und Regisseur, aber vor allem ist der 17jährige Schüler gesetzestreu und harmlos. Er filmt lieber aus der Passivität mit seinem Handy, um irgendwann einmal die ganz große Geschichte zu erzählen. Dabei erhält er unverhofft einen Inspirationsschub von dem etwas älteren James King (Rakim Mayers), der den Überblick zu haben scheint, was so alles im Viertel abgeht.

Als die Polizeit Steve Harmon verhaftet, müssen seine Eltern tatenlos zusehen. Sie können nichts für ihren Jungen tun, der irgendwie in den Überfall auf eine Bodega verstrickt sein soll, bei dem dessen Besitzer tödlich verletzt wurde. Einzig die Pflichtverteidigerin Maureen O’Brien (Jennifer Ehle) kann ihm jetzt noch helfen. Zum Glück nimmt sie ihren Job sehr ernst und wartet im Gericht mit der einen oder anderen Überraschung auf. Doch je länger das Verfahren läuft, umso größer wird Steve Harmons Angst vor einer Gefängnisstrafe. Bis in ihm schließlich die Erkenntnis wächst, dass es gegenüber den Geschworenen gar nicht so sehr auf die Wahrheit ankommt, sondern darauf, wie man seine Geschichte erzählen kann.

Monster! Monster?


Dass die Figur Steve Harmon ein Filmstudent ist und es auch einige Auszüge aus der Vorlesung eines Lehrers für Film- und Fernsehwissenschaften gibt, könnte diesen Film interessant machen. Allerdings hat REgisseur Anthony Mandler diese Steilvorlage nicht in letzter Konsequenz genutzt, was ziemlich enttäuschend ist. Er arbeitet mit Licht und Farben und das funktioniert ganz gut – vor allem in dem absolut farblosen Gerichtssaal. Das Steve die vierte Wand durchbricht und mit „seinem“ Publikum aus dem Off spricht, ist aber oftmals ebenso verwirrend, wie die angeführten Hinweise „zuvor“ zu Beginn vieler Rückblenden sinnlos sind. Völlig verpasst haben die Filmemacher die Chance, den eigentlichen Tathergang aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu zeigen. Man ging lieber auf Nummer sicher und blieb bei den Zeugenaussagen im Gericht. Auch die ineinander gerafften Plädoyers von Staatsanwaltschaft und den beiden Pflichtverteidigern funktionieren recht unterschiedlich gut.

Monster! Monster?

Absoluter Pluspunkt des Films ist hingegen sein Hauptdarsteller. Kelvin Harrison Jr. vermittelt die Fassungslosigkeit angesichts der Ausweglosigkeit seiner Situation ebenso gut, wie die naiv-kindliche Verspieltheit in den Rückblenden Grandios ist zudem das Finale, in dem deutlich wird, dass die Hauptfigur ebenso wie sein Vater (Jeffrey Wright) mit der Gabe gesegnet ist, ein perfektes Auge für Details zu haben. Hier tut Steve dann instinktiv das einzig Mögliche und vertraut auf das, was er bei seinem Lehrer Leroy Sawicki (Tim Blake Nelson) gelernt hat: Ein Filmemacher muss eine Geschichte zu erzählen haben.

Regisseur Anthony Mandler nimmt sich darüber hinaus ausgiebig Zeit für die Figur des James King, der beim Basketballspielen gefilmt wird und mit Steve Harmon beim Schachspiel über Vertrauen philosophieren darf. Dadurch entstehen auch einige Längen, die aber von der Spannungskurve des Gerichtsverfahrens ganz gut aufgefangen werden.

Insgesamt ist „Monster! Monster?“ auch eine Anklage an die Gesellschaft und ihre Vorurteile und vorherrschenden Rassismus. Ein Film, der fesselt, dessen Zeitsprünge manchmal aber auch etwas wirr erscheinen. Alles in allem eine gelungene Adaption der Buchvorlage von Walter Dean Myers.

Monster! Monster?
Steves Eltern (Jeffrey Wright und Jennifer Hudson) im Gerichtssaal.

Monster! Monster?
James King (Rakim Mayers aka A$AP Rocky)

Monster! Monster?
Ein entscheidender Moment für Steve Harmon (Kelvin Harrison Jr.)

Für alle Bilder gilt:
NETFLIX © 2021

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Fakten
Originaltitel:
Monster
 
Netflix-Premiere am:
07.05.2021
 
Genre:
Drama
 
Regie:
Anthony Mandler
 
Dieser Film wurde bewertet von:
RS (65%) & Frank (80%)
 
Texte:
RS
 
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