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leer Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
*** *** * ** * ** *** *** 46%
 

 
Ein Titel wie „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ lässt einen grob ahnen, dass hier Trash vom feinsten abgeliefert wird; insbesondere dann, wenn noch Full Moon dahintersteckt. Aber, Überraschung, es steckt mehr in dem Film, als man vermuten mag.


Die eigentliche Rahmenhandlung des Filmes ist ziemlich schnell abgefrühstückt:

Im sogenannten Avocado-Dschungel verschwinden Soldaten der US Army. Der Dschungel ist wichtig für die Staaten, denn hier wird die weltzentrale Avocadoversorgung sichergestellt.

Auf keinen Fall darf dieser Handelszweig den Feinden – also den Kommunisten – in die Hand fallen. Zu diesem Zweck schickt die Army die Ethnologin und Feministin Dr. Hunt (Shannon Tweed) in den Dschungel, die mit dem, ausschließlich aus Frauen bestehenden kannibalistischen Piranha-Stamm, Verhandlungen aufnehmen soll.

Hier trifft sie auf ihr emanzipatorisches Vorbild Dr. Kurz (Adrienne Barbeau), die die Führung des Stammes übernommen hat. Allerdings kann Dr. Hunt den Umgang mit den Männern nicht gutheißen, und es kommt zu einem Streit zwischen beiden.

Dr. Hunt kann fliehen und entdeckt den, ebenfalls aus Frauen bestehenden, verfeindeten Barracuda-Stamm. Es kommt zum finalen Kampf zwischen beiden Stämmen.

Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes


Regisseur J.F. Lawton hat mit dem 1989 produzierten Streifen sowohl eine Kritik am Chauvi- als auch radikalen Feminismus abgeliefert. So hat er die - für die damalige Zeit (und leider auch heute noch oft angewandte) strikte - Rollenverteilung der Geschlechter umgedreht.

Die Frauen sind hier die starken Action-Helden, während die Männer, bis auf wenige Ausnahmen, als verweichlichte Stricktanten dargestellt werden. Dass die sonst übliche Rollenverteilung hier auf den Kopf gestellt wird, wird frühestens bei der Ausgabe der Schusswaffen klar, wo zwei Frauen über die Kaliber einer Waffe fachsimpeln und einen, wie er sonst nur von Männern bekannt ist, Penisgrößenvergleich an den Tag legen.

Gleichzeitig hat Lawton den Film dazu genutzt, die damaligen männerdominierten Filme wie „Apocalypse Now“ oder auch die „Indiana Jones“-Reihe zu persiflieren. Was nicht zuletzt durch auffallende Namensähnlichkeiten der Hauptdarsteller passiert.

Wer hier übrigens Kannibalenszenen wie in den üblichen Filmen von Deodato, Lenzi oder D´Amato erwartet, wird enttäuscht. Es gibt keinen Gore und keinen Splatter.

Gedreht wurde der Film aus Budget-Gründen nicht in einem echten Dschungel, sondern in einem botanischen Garten. Was auch erklärt, wieso in einer Szene eine Parkbank im Hintergrund gut sichtbar ist – mitten im Dschungel.

Dass der Film über lange Sicht trotzdem gut funktioniert, ist zunächst den Dialogen geschuldet, die einen immensen Wortwitz haben. Hinzu kommt die Tatsache, dass man zeitgleich Titel raten spielen kann „Hey, das Zitat ist doch aus XXX“ oder „Der Name ist doch auch XXX“. Dabei hat Lawton trotzdem nicht die Gesellschaftskritik aus den Augen verloren und lässt das Patriarchat als das dastehen, was es im Grunde auch ist: Überflüssig.

Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes

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Fakten
Originaltitel:
Cannibal Women in the Avocado Jungle of Death
 
auf DVD/Blu-ray/VoD ab:
26.04.2019
 
Genre:
Abenteuer / Actionspaß
 
Regie:
J.F. Lawton
 
Dieser Film wurde bewertet von:
AL(46%)
 
Texte;
AL
 
Vertrieb (für Heimkino):
Wicked-Vision
 
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